Auf dem Gelände eines ehemaligen NS-Zwangsarbeiterlagers südlich von Wien soll ein Gewerbegebiet entstehen. Nach Angaben der Euronews-Sendung wird man bei Leobersdorf bald einkaufen gehen können, sehr zur Empörung vieler Anwohner und jener, die die Erinnerung an die NS-Lager wachhalten wollen. Auf Teilen des Areals, auf dem die Nationalsozialisten nach der Annexion Österreichs 1938 Zwangsarbeiterinnen, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge unterbrachten, sollen Kühl- und Logistiklager gebaut werden. Die Bauarbeiten haben begonnen. 1944 wurde das Lager eine Außenstelle des Konzentrationslagers Mauthausen. Zu den Unternehmen im geplanten Gebiet zählt auch der Discounter Lidl.
Auf dem Gelände eines ehemaligen NS-Zwangsarbeiterlagers südlich von Wien soll künftig eingekauft werden. Nach Angaben der Euronews-Sendung wird man auf dem Areal bei Leobersdorf bald einkaufen gehen können, sehr zur Empörung vieler Anwohner und jener, die die Erinnerung an die Lager der NS-Zeit wachhalten wollen. Auf Teilen der Fläche soll ein Gewerbegebiet mit Kühl- und Logistiklagern entstehen, und die Bauarbeiten haben nach dem Bericht bereits begonnen.
Die Geschichte des Ortes reicht in die dunkelste Zeit Österreichs zurück. Dem Bericht zufolge brachten die Nationalsozialisten nach der Annexion Österreichs im Jahr 1938 auf diesem Areal Zwangsarbeiterinnen, Kriegsgefangene und KZ-Häftlinge unter. Genau dort, wo Menschen unter dem NS-Regime festgehalten und zur Arbeit gezwungen wurden, sollen nun kommerzielle Lagerhallen errichtet werden, was den Kern der aktuellen Auseinandersetzung bildet.
Betroffen waren nach der Darstellung der Sendung Hunderte verschleppte Menschen aus mehreren Ländern. Dem Bericht zufolge mussten Zwangsarbeiterinnen aus der Ukraine, der Sowjetunion, Italien und Polen im sogenannten Weinberglager Hirtenberg leben und für die nahe gelegene Munitionsfabrik arbeiten. Das Lager war damit eng mit der Rüstungsproduktion der Region verbunden, in die die verschleppten Menschen zur Zwangsarbeit eingegliedert wurden.
Im weiteren Verlauf des Krieges änderte sich der Status des Lagers. Laut dem Bericht wurde es 1944 zur Außenstelle des Konzentrationslagers Mauthausen, das als das größte Konzentrationslager der Nationalsozialisten in Österreich beschrieben wird. Diese Verbindung zu Mauthausen unterstreicht die historische Bedeutung des Ortes und ist einer der Gründe, warum die geplante Bebauung auf so heftigen Widerstand stößt.
Die Pläne für das Grundstück sind nicht neu, sorgen aber weiter für Streit. Dem Bericht zufolge wurden die Vorhaben zur Bebauung des Areals, das lange brach lag und zu einem verwilderten Feld geworden war, erstmals vor zwei Jahren bekannt gegeben. Die zuständige Behörde hält die erhaltenen Reste des Lagers demnach für nicht ausreichend, um sie unter Denkmalschutz zu stellen, was den Weg für die kommerzielle Nutzung freimacht.
Zu den Unternehmen, die sich in dem umstrittenen Gewerbegebiet ansiedeln sollen, gehört auch ein bekannter Handelskonzern. Nach Angaben der Sendung soll das Gebiet mehrere Firmen beherbergen, darunter den deutschen Discounter Lidl. Das Unternehmen stellte demnach klar, dass seine Einrichtungen nicht direkt auf dem Gelände des ehemaligen Lagers, sondern auf einem angrenzenden Grundstück untergebracht werden sollen.
Angesichts der öffentlichen Empörung haben die Verantwortlichen einen Schritt in Richtung Erinnerungskultur angekündigt. Dem Bericht zufolge haben die Bauträger angeboten, vor Ort eine Gedenkstätte zu errichten, um die Empörung zu besänftigen. Für viele Anwohner und für jene, die sich für den Erhalt der NS-Gedenkorte einsetzen, bleibt die Errichtung eines Gewerbegebiets auf einem solchen Ort dennoch ein tiefer Einschnitt in die Erinnerung an die Opfer.