LIVE PROTOCOL
EET--:--:-- edition--.--.--

Belgischer Gerichtshof verurteilt Staat zu Entschädigung für fünf Frauen aus der Kolonialzeit

Belgischer Gerichtshof verurteilt Staat zu Entschädigung für fünf Frauen aus der Kolonialzeit

Der oberste Gerichtshof in Brüssel hat den belgischen Staat dazu verurteilt, fünf Frauen jeweils 50.000 Euro Entschädigung zu zahlen. Nach Angaben einer Anwältin der Opfer ist es die erste Verurteilung eines europäischen Staates wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit während der Kolonialzeit. Die Frauen waren als Kleinkinder ihren Müttern entzogen und in katholischen Heimen untergebracht worden.

Der oberste Gerichtshof in Brüssel hat den belgischen Staat dazu verurteilt, fünf Frauen jeweils 50.000 Euro Entschädigung zu zahlen. Nach Angaben einer Anwältin der Opfer ist es die erste Verurteilung eines europäischen Staates wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit während der Kolonialzeit. Damit beendet das Gericht juristisch ein grausames Kapitel der belgischen Kolonialgeschichte.

Geklagt hatten fünf Frauen, die als Kleinkinder ihren Müttern entzogen und in katholischen Heimen untergebracht worden waren. Sie waren Kinder eines weißen europäischen Vaters und einer schwarzen Mutter. Der belgische Staat trennte sie von ihren Familien und brachte sie in Einrichtungen, die von Nonnen geleitet wurden.

Eine der Klägerinnen ist Lea Tavare. Belgische Kolonialisten entführten sie im Alter von zwei Jahren und brachten sie in ein von katholischen Nonnen geführtes Kinderheim. Sie wuchs ohne ihre Mutter auf, allein deshalb, weil ihr Vater ein weißer Europäer war.

Sie schildert, wie sehr sie als kleines Kind die Nähe ihrer Mutter vermisste, doch niemand sei da gewesen, um sie zu trösten. Sie sei weinend eingeschlafen, ohne dass es die Nonnen interessiert habe. Sie haben mein Leben zerstört, sagte sie. Sie sei für ihre Mutter und für ihren Vater zu einer Fremden geworden und habe alle Rechte verloren.

Anfang der 1960er Jahre herrschte im Kongo die belgische Kolonialmacht. Kinder mit einem weißen Vater und einer schwarzen Mutter passten nach Darstellung des Berichts nicht ins damalige Weltbild. Der belgische Staat schickte Tausende von ihnen in Internate und Heime, fern ihrer Mütter und Familien.

Lea Tavare und vier weitere der entführten Frauen sind heute befreundet und leben in Belgien. Gemeinsam kämpften sie über Jahre für Anerkennung und Gerechtigkeit. Sie erzählt, dass sie sich immer wieder getroffen, geredet und geweint hätten, bis sie genug davon hatte und sie sich schließlich einen Anwalt suchten, um ihr Recht durchzusetzen.

Loading article...