Die deutschen Exporte sind im April erneut gewachsen, und zwar bereits den dritten Monat in Folge. Trotz des Krieges mit dem Iran und anhaltender Unsicherheiten im Welthandel legten die Ausfuhren weiter zu, was auf eine etwas robustere Nachfrage aus dem Ausland hindeutet und dem deutschen Aussenhandel zumindest vorübergehend etwas Auftrieb gibt.
Wie das Statistische Bundesamt mitteilte, stiegen die Ausfuhren im April im Vergleich zum Vormonat um knapp ein Prozent. Der Gesamtwert der Exporte lag bei mehr als 136 Milliarden Euro. Bereits in den Monaten Februar und März hatte es jeweils ein Plus gegeben, sodass sich der Aufwärtstrend nun über mehrere Monate hinweg fortsetzt.
Als wesentlicher Grund für die Zuwächse gilt eine höhere Nachfrage in Europa und in den Vereinigten Staaten. Die USA blieben dabei das wichtigste Abnehmerland für deutsche Waren und Güter. Umgekehrt war China das Land, aus dem die meisten Waren nach Deutschland eingeführt wurden, was die enge Verflechtung der deutschen Wirtschaft mit beiden Märkten unterstreicht.
Auch in der Produktion zeigte sich eine leichte Belebung. Diese war vor allem dem Baugewerbe zu verdanken, in dem wieder verstärkt und neu gebaut wird. Beobachter führen das nicht zuletzt auf das grosse Infrastrukturpaket der Bundesregierung zurück, dessen Wirkung sich nun langsam, aber spürbar bemerkbar mache und im Land selbst für Bewegung sorge.
Ob diese Entwicklung von Dauer ist, gilt allerdings als fraglich. Viele werten die April-Daten vor allem als Momentaufnahme. Ein wichtiger Grund dafür ist der Auftragseingang der deutschen Industrie, der im April nach Angaben des Statistischen Bundesamtes eingebrochen ist und damit ein deutlich weniger optimistisches Bild der kommenden Monate zeichnet.
Hinzu kommen die unübersehbaren Störungen im Welthandel. Im Raum stehen neue Zolldrohungen von US-Präsident Donald Trump, der unter anderem der Europäischen Union mit weiteren Zöllen gedroht und dabei auf das Thema Zwangsarbeit verwiesen hat. In Brüssel sorgte dieser Vorwurf für deutliche Irritationen, da er ausgerechnet einen Bereich betrifft, in dem die EU zuletzt selbst aktiv geworden ist.
Gerade die Europäische Union hatte in der jüngeren Vergangenheit Gesetze erlassen, um Zwangsarbeit stärker zu kontrollieren und einzudämmen. Vor diesem Hintergrund bleibt offen, ob die deutschen Exporteure ihren Aufwärtstrend halten können oder ob neue Handelskonflikte und eine schwächere Auftragslage die zuletzt positiven Zahlen wieder zunichtemachen.
