Auf der Hauptversammlung der Commerzbank haben Vorstand, Aufsichtsrat und grosse Teile der Belegschaft geschlossen gegen die geplante Uebernahme durch die italienische UniCredit Position bezogen. Das zentrale Thema bestimmte den gesamten Vormittag, wobei auch viele Aktionaere sich auf die Seite des Managements stellten. Der Vorstand raet ausdruecklich von der Uebernahme ab.
Ein zentraler Grund fuer die Ablehnung ist die Befuerchtung eines massiven Kahlschlags bei den Arbeitsplaetzen. Der Gesamtbetriebsrat geht davon aus, dass bei einer Fusion rund 23.000 der 39.000 Stellen gestrichen wuerden. UniCredit ist als harter Sanierer bekannt. Bei der Hypovereinsbank wurden die Filialen um die Haelfte reduziert und die Mitarbeiterzahl von 19.000 auf nur 8.000 gesenkt, ein Rueckgang von 60 Prozent.
Auch der deutsche Mittelstand blickt mit Sorge auf die moegliche Uebernahme. Die Commerzbank ist traditionell der grosse Finanzierer des Mittelstandes, der als Rueckgrat der deutschen Wirtschaft gilt. Bei einem Zusammengehen der beiden Institute koennten sich die Refinanzierungsbedingungen fuer mittelstaendische Unternehmen deutlich verschlechtern, was angesichts der schwierigen konjunkturellen Lage besonders problematisch waere.
Die Commerzbank steht mittlerweile wieder glaenzend da mit Rekordergebnissen bei Umsatz und Gewinn sowie einer Rekorddividende von 1,10 Euro. Die Bank wurde in diese Situation gebracht durch ein als politisches Versagen kritisiertes Vorgehen: Waehrend der Ampelkoalition hatte Finanzminister Christian Lindner ohne zwingenden Grund ein Aktienpaket auf den Markt geworfen, das UniCredit erwarb und damit den Uebernahmepoker ausloeste.
