Das Grabmal Kaiser Ottos des Großen im Magdeburger Dom ist nach Einschätzung von Archäologen akut gefährdet. Bereits vor zwei Jahren entdeckten die Fachleute, dass der Steinsarkophag des Herrschers besorgniserregende Schäden aufwies. Seitdem wird versucht zu retten, was der jahrhundertelange Verfall übrig gelassen hat.
Otto der Große war eine herausragende Erscheinung seiner Zeit. Mit gut 1,80 Metern war der Kaiser, der im 10. Jahrhundert lebte, fast zehn Zentimeter größer als der Durchschnitt der damaligen Bevölkerung. Sein Grabmal im Dom zählt zu den bedeutendsten historischen Stätten der Stadt.
Die Ursachen für die akute Gefährdung des Sarkophags liegen vor allem in den klimatischen Schwankungen im Dom selbst und den damit verbundenen, teils extremen Luftfeuchtewerten. In Löchern im Sarkophag saßen über Jahrhunderte eiserne Klammern, die im Laufe der Zeit stark verrosteten.
Hinzu kommt, dass der Sarkophag Feuchtigkeit aus dem Boden zieht. Diese Feuchte steigt hoch und ist zugleich ausgesprochen salzig. Das Zusammenspiel von Nässe, Salzen und dem im Stein verbauten Eisen führte dazu, dass das Metall stark korrodierte und der Sarkophag im Inneren regelrecht gesprengt wurde.
Während der Arbeiten machten die Archäologen unter dem Standort des Sarkophags eine weitere Entdeckung. Sie stießen auf ein teilweise verschüttetes Gangsystem. Dass diese unterirdischen Gänge existieren, war zwar bekannt, doch das Labyrinth gibt den Wissenschaftlern nach wie vor Rätsel auf, da weder der genaue Zeitpunkt der Anlage noch ihr ursprünglicher Zweck geklärt sind.
Zu den Erklärungsversuchen zählt die Hypothese, dass es sich um ein Ossuarium handeln könnte, also um ein Knochenlager. Die Gebeine könnten demnach von Funden stammen, die man bei der Errichtung der neuen Kirche im Jahr 1207 entdeckt hatte. Während der Grabungen kamen zudem Münzen, Glasperlen und bunt bemalte Putzfragmente zum Vorschein.
Die Forscherinnen und Forscher gaben nun Einblicke in den aktuellen Stand ihrer Arbeiten am Grabmal. Die gewonnenen Erkenntnisse sollen auch einem breiteren Publikum zugänglich gemacht werden. Eine Ausstellung zur Entwicklung von Kaiser Otto dem Großen ist für den 1. September geplant.
