Die Europäische Union hat einen Aktionsplan vorgelegt, mit dem sie den Anteil der Elektrifizierung in Verkehr, Industrie und bei Gebäuden bis zum Jahr 2040 auf 46 Prozent anheben will. Mit dem Vorhaben verfolgt Brüssel das Ziel, die Abhängigkeit von importierten fossilen Brennstoffen deutlich zu verringern und zugleich die Kosten zu senken, die der Staatengemeinschaft durch diese Einfuhren entstehen.
Nach Angaben der EU-Kommission würde ein solcher Ausbau der Elektrifizierung die Ausgaben für importierte fossile Energieträger um rund 260 Milliarden Euro pro Jahr senken. Eine Summe in dieser Größenordnung verdeutlicht, wie stark die europäische Wirtschaft bislang von eingeführtem Öl und Gas abhängt und welches Einsparpotenzial ein konsequenter Umstieg auf Strom mit sich bringen könnte.
Zu dem Aktionsplan gehört ein ganzes Bündel an Reformen. Vorgesehen sind unter anderem Änderungen bei den Entgelten für die Betreiber der Energienetze, Anpassungen im Bereich der Besteuerung sowie Maßnahmen, die die Energieeffizienz von Gebäuden verbessern sollen. Damit will die Kommission an mehreren Stellschrauben gleichzeitig ansetzen, um den Umstieg auf elektrische Energie attraktiver und günstiger zu machen.
Die Reformen sollen auch dabei helfen, mögliche Engpässe bei der Versorgung abzufedern. Konkret ist davon die Rede, dass ein durch den Konflikt in der Straße von Hormuz drohender Ausfall von Öl- und Gaslieferungen ausgeglichen werden könnte. Die Spannungen in dieser für den weltweiten Energiehandel zentralen Meerenge haben die Frage der Versorgungssicherheit für Europa erneut in den Vordergrund gerückt.
Ein zentrales Hindernis für den Umstieg sieht Brüssel im geltenden Steuersystem. Die Kommission hat festgestellt, dass Strom in einigen Mitgliedstaaten nach wie vor stärker besteuert wird als Gas. Diese Schieflage schwächt die Anreize für Haushalte und Unternehmen, von fossilen Energieträgern auf strombasierte Lösungen umzusteigen, obwohl gerade dieser Wechsel im Zentrum des Aktionsplans steht.
Betroffen sind davon vor allem saubere Technologien, auf die die EU setzt. Solange Strom vergleichsweise hoch besteuert bleibt, fällt es Verbrauchern und Betrieben schwerer, sich für Wärmepumpen oder Elektrofahrzeuge zu entscheiden. Genau diese Anwendungen aber gelten als entscheidend, wenn der angestrebte Elektrifizierungsgrad von 46 Prozent bis 2040 tatsächlich erreicht werden soll.
Allerdings stößt die Kommission bei der Steuerfrage an Grenzen. Denn die nationalen Regierungen können die Struktur ihrer Steuersysteme weiterhin frei wählen. Damit bleibt offen, wie schnell und wie einheitlich die einzelnen Mitgliedstaaten die von Brüssel angestrebten Änderungen umsetzen, was über den Erfolg des gesamten Aktionsplans mitentscheiden dürfte.
