Das Europäische Parlament hat in Straßburg eine historische Premiere gefeiert: Zum ersten Mal wurden Europäische Verdienstorden an Persönlichkeiten verliehen, die sich in besonderer Weise um europäische Werte verdient gemacht haben. Die höchste Kategorie der Auszeichnung ging an die ehemalige deutsche Bundeskanzlerin Angela Merkel, den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj und den früheren polnischen Präsidenten Lech Wałęsa. Von den insgesamt rund 20 Geehrten nahmen 13 persönlich an der Zeremonie teil.
Merkel nutzte die Gelegenheit für eine rund zweiminütige Rede, in der sie eindringlich auf die Gefahren für Frieden, Wohlstand und Demokratie in Europa hinwies. Ihre Worte wurden im Plenarsaal allerdings nur mit verhaltenem Applaus aufgenommen. Neben den drei Hauptpreisträgern wurden auch weitere Persönlichkeiten in niedrigeren Kategorien des Verdienstordens geehrt, darunter der vatikanische Kardinalstaatssekretär Pietro Parolin, Moldaus Präsidentin Maia Sandu sowie der ehemalige Präsident der Europäischen Zentralbank, Jean-Claude Trichet.
Die Verleihung war jedoch nicht frei von Kritik. Einige Abgeordnete des Europaparlaments bemängelten, dass die Auswahl der Geehrten zu stark von Nostalgie geprägt sei. Viele der Ausgezeichneten seien zu sehr in den sogenannten guten alten Zeiten verankert und spiegelten weniger die aktuellen Herausforderungen Europas wider. Dieser Einwand richtete sich nicht gegen einzelne Preisträger, sondern gegen die grundsätzliche Ausrichtung der erstmaligen Verleihung.
Trotz der Kritik markiert die Einführung der Europäischen Verdienstorden einen bedeutenden Schritt für das Europäische Parlament. Die neue Auszeichnung soll künftig regelmäßig an Persönlichkeiten vergeben werden, die sich um die europäische Einigung, Demokratie und Menschenrechte verdient gemacht haben. Die Zeremonie in Straßburg unterstrich den Anspruch des Parlaments, europäische Werte sichtbar zu würdigen, auch wenn die Debatte um die richtige Balance zwischen Rückblick und Zukunftsorientierung damit erst begonnen hat.
