Die Vereinigten Staaten haben mit einer umfassenden Überprüfung ihrer Militärpräsenz in Europa begonnen. Das teilte der zuständige Staatssekretär auf der Plattform X mit. Der Schritt markiert den Beginn einer Neubewertung, die weitreichende Folgen für die Verteidigungsstruktur des Kontinents haben könnte und die Debatte über die künftige Lastenverteilung innerhalb der NATO neu entfacht.
Mit der Überprüfung setzen die USA Ankündigungen von Präsident Donald Trump um, die dieser vor Monaten nach Auseinandersetzungen mit mehreren europäischen Staats- und Regierungschefs gemacht hatte. Damit rückt eine Ankündigung, die zunächst als politische Drohkulisse erschienen war, nun in die konkrete Umsetzung und wird zu einer realen Weichenstellung für die transatlantischen Beziehungen.
Nach Angaben aus Washington soll die Überprüfung sicherstellen, dass Europa innerhalb der NATO rasch die Hauptverantwortung für seine eigene konventionelle Verteidigung übernimmt. Damit wird der Druck auf die europäischen Bündnispartner erhöht, mehr für die eigene Sicherheit zu tun, statt sich auf die militärische Absicherung durch die Vereinigten Staaten zu verlassen.
Sowohl Trump als auch der Staatssekretär erklärten, die Maßnahme stehe nicht im Zusammenhang mit Meinungsverschiedenheiten mit den europäischen Bündnispartnern. Mit dieser Klarstellung versuchte die US-Regierung, die Überprüfung von den zurückliegenden politischen Spannungen zu trennen und sie stattdessen als strategische Entscheidung darzustellen.
US-Verteidigungsminister Pete Hegseth hatte bereits im Juni bei einem NATO-Treffen der Verteidigungsminister in Brüssel über die mehrmonatige Überprüfung und den geplanten Abzug von Truppen informiert und dabei auf die hohen Kosten der USA für die Verteidigung verwiesen. Damals merkte er vage an, dass in Europa einige Länder durchfallen und andere mit Bravour bestehen würden.
Konkrete Schritte sind bereits absehbar. Zwischenzeitlich hatten die USA schon den Abzug von 5000 Soldaten aus Deutschland angekündigt, ein Signal dafür, dass die Neubewertung nicht bei Ankündigungen bleibt. Für Deutschland als bislang zentralen Standort amerikanischer Streitkräfte in Europa wäre eine solche Verlagerung von erheblicher Bedeutung.
Hinter der Überprüfung steht eine grundlegende Neuausrichtung der amerikanischen Verteidigungsstrategie. Diese sieht vor, dass die USA zwar weiterhin fester NATO-Partner bleiben wollen, ihre Priorität aber in Richtung Heimat und Abschreckung Chinas verschieben. Für Europa bedeutet das die Aussicht auf eine Zukunft, in der es stärker für seine eigene Sicherheit einstehen muss.
