Die Europäische Union ringt weiter um ihr 21. Sanktionspaket gegen Russland, doch in einem Punkt hat sich Bulgarien durchgesetzt. Der Name von Patriarch Kirill, dem Oberhaupt der russisch-orthodoxen Kirche, wurde aus der Liste gestrichen. Die bulgarische Außenministerin Velislava Petrova-Chamova zeigte sich zufrieden mit dieser Entscheidung, für die sich ihre Regierung ausdrücklich eingesetzt hatte.
In einem Interview mit der Morgensendung Europe Today begründete die Ministerin, warum sich ihr Land dafür stark gemacht habe, das Kirchenoberhaupt aus dem neuesten Sanktionspaket herauszunehmen. Für Bulgarien handelt es sich dabei um eine heikle Frage, die eng mit der eigenen religiösen und kulturellen Verbundenheit zusammenhängt und die im Land aufmerksam verfolgt wird.
Hintergrund ist die enge Verbindung zwischen den orthodoxen Kirchen. Die bulgarisch-orthodoxe und die russisch-orthodoxe Kirche sind zwar autonome Kirchen mit unterschiedlichen Patriarchen, gehören aber beide der östlich-orthodoxen Gemeinschaft an und teilen dieselben Grundüberzeugungen. Diese Nähe erklärt, warum Sofia besonderen Wert darauf legte, den russischen Patriarchen von der Sanktionsliste zu nehmen.
Kirill selbst ist wegen seiner Haltung zum Krieg umstritten. Der Patriarch hatte Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine als Heiligen Krieg bezeichnet und ihn mehrfach öffentlich gutgeheißen. Genau diese Positionierung hatte dazu geführt, dass sein Name überhaupt auf der Vorschlagsliste für neue Strafmaßnahmen gegen Moskau aufgetaucht war.
Der Vorschlag für das 21. Sanktionspaket war Anfang Juni von der EU-Kommission vorgelegt worden und hatte ursprünglich auch Patriarch Kirill umfasst. Mit den Maßnahmen will die Europäische Union den Druck auf Moskau angesichts des seit Jahren andauernden Krieges gegen die Ukraine weiter erhöhen.
Allerdings sind sich die Mitgliedstaaten nicht nur beim Umgang mit dem Patriarchen, sondern auch über andere Punkte des Pakets uneins. Deshalb konnten die Maßnahmen beim Treffen der Außenminister am Montag in Brüssel nicht verabschiedet werden, und die Beratungen endeten ohne die notwendige Einigung unter den 27 Mitgliedern.
Um die verbleibenden Unstimmigkeiten auszuräumen, ist für diesen Dienstag eine Sondersitzung angesetzt. Dort soll geklärt werden, ob das Paket in seiner überarbeiteten Form doch noch die Zustimmung aller Mitgliedstaaten findet und die EU zu einer gemeinsamen Linie gegenüber Russland zurückkehrt.
