Die Europäische Union und die Ukraine rücken in der Rüstungsproduktion enger zusammen. Beide Seiten haben ein Abkommen unterzeichnet, mit dem sie künftig gemeinsam mehr Drohnen herstellen wollen. Die Vereinbarung markiert einen weiteren Schritt in der immer engeren verteidigungspolitischen Zusammenarbeit zwischen Brüssel und Kiew, mehr als vier Jahre nach Beginn des russischen Angriffskriegs.
Bekannt gegeben wurde der Deal in einem symbolträchtigen Rahmen. Die Präsidentin der Europäischen Kommission, Ursula von der Leyen, war mit dem sogenannten Bravery Express in die ukrainische Hauptstadt gereist, bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr. Ihr wiederholter Besuch in Kiew unterstreicht, welchen Stellenwert die Kommission der Unterstützung der Ukraine beimisst, auch mitten im andauernden Krieg.
Inhaltlich zielt das Abkommen darauf ab, zwei Stärken miteinander zu verbinden. Das über Jahre des Krieges gewachsene Know-how der Ukraine im Bereich der Drohnen soll mit den industriellen Produktionskapazitäten der Europäischen Union verknüpft werden. Auf diese Weise wollen beide Seiten die Fertigung ausweiten und zugleich vom technologischen Vorsprung profitieren, den sich die ukrainischen Entwickler unter Kriegsbedingungen erarbeitet haben.
Der Schritt spiegelt die veränderte Natur des Krieges wider. Mehr als vier Jahre nach dem Beginn von Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine sind Drohnen zu einem festen Bestandteil der modernen Kriegsführung geworden. Sie prägen inzwischen sowohl die Aufklärung als auch die unmittelbaren Kampfhandlungen und haben die Art und Weise, wie an der Front gekämpft wird, grundlegend verändert.
Für die Ukraine sind die unbemannten Systeme zu einem zentralen Instrument geworden. Mit ihrer Hilfe ist es Kiew gelungen, Angriffe tief im russischen Hoheitsgebiet durchzuführen und damit den Krieg auch in Regionen zu tragen, die weit hinter der eigentlichen Frontlinie liegen. Die Drohnen erlauben es dem Land, seine begrenzten Mittel gezielt und mit großer Reichweite einzusetzen.
Die ukrainische Führung will die Produktion nun deutlich hochfahren. Präsident Wolodymyr Selenskyj hat das Ziel ausgegeben, die Drohnenproduktion von derzeit rund 10 Millionen Stück pro Jahr auf 20 Millionen zu verdoppeln. Eine solche Steigerung würde die Ukraine noch stärker in die Lage versetzen, den anhaltenden russischen Angriffen etwas entgegenzusetzen und ihre eigene Schlagkraft auszubauen. Finanziert werden soll das gemeinsame Vorhaben den vorliegenden Angaben zufolge aus dem 90 Milliarden Euro schweren Hilfskredit für die Ukraine sowie aus den noch verfügbaren rund 10 Milliarden Euro des europäischen SAFE-Verteidigungsprogramms.
Das gemeinsame Vorhaben fügt sich in eine Reihe von Initiativen ein, mit denen die Europäische Union ihre Unterstützung für die Ukraine verstetigen will. Indem Brüssel nicht nur Waffen liefert, sondern auch in die gemeinsame Produktion einsteigt, verschiebt sich die Zusammenarbeit von kurzfristiger Hilfe hin zu einer dauerhaften industriellen Partnerschaft, deren Ergebnisse den Verlauf des Krieges mittelfristig beeinflussen könnten.
