In Spanien haben Archäologen einen bemerkenswerten Fund gemacht, der einen seltenen Einblick in eine längst vergangene Kultur gibt. In der Casa del Turuñuelo, die in den Vegas Altas del Guadiana in der spanischen Provinz Badajoz liegt, kamen nach Angaben von Euronews über 2500 Jahre alte Funde aus der Zeit der Tartesser zutage, jener frühen Zivilisation im Südwesten der Iberischen Halbinsel.
Der Fundort selbst ist ungewöhnlich. Bei der Casa del Turuñuelo handelt es sich um ein monumentales Gebäude, das vollständig aus Erde errichtet wurde. Am Ende seiner Nutzungszeit wurde das Bauwerk von den Menschen, die es einst errichtet und genutzt hatten, bewusst begraben, wodurch sich der Inhalt über die Jahrtausende hinweg auf bemerkenswerte Weise erhalten konnte.
Im Zentrum der Entdeckung steht ein Bronzewagen. Nach Angaben der Ausgräber konnte das Objekt zur Hälfte geborgen werden, und es ist mit außergewöhnlich gut erhaltenen Verzierungen versehen. Gerade diese Detailtreue macht den Fund für die Forscher besonders wertvoll, da sich an ihm die Bildsprache und das handwerkliche Können der damaligen Zeit ablesen lassen.
Die Verzierungen des Wagens erzählen von der Vorstellungswelt seiner Erbauer. Zu sehen sind eine Flussgottheit der Unterwelt sowie Mischwesen, die einen Adlerkopf mit einem Löwenkörper verbinden. An den beiden Enden des Wagens tragen zwei menschliche Figuren die Räder und bilden zugleich die Stützen der Konstruktion, was dem Objekt eine ausdrucksstarke, fast erzählerische Gestalt verleiht.
Auch über die Herkunft des Wagens gibt es erste Vermutungen. Laut Rodríguez ist das Stück trotz seines hohen Alters sehr gut erhalten. Es wurde mit Eisen zusammengefügt und möglicherweise in Griechenland oder in Etrurien hergestellt. Endgültige Gewissheit über den Entstehungsort sollen jedoch erst die Ergebnisse einer geplanten Isotopenanalyse bringen.
Der Bronzewagen war nicht das einzige Ergebnis der Grabungen. Während der bereits achten Ausgrabungskampagne stießen die Archäologen auf weitere Objekte, darunter zwei bronzene Kohlebecken, einen Kessel und Keramik. Hinzu kamen mehr als 200 Fragmente aus Elfenbein, die das Bild eines reich ausgestatteten Ortes weiter vervollständigen.
Zusammengenommen unterstreichen die Funde die Bedeutung der Casa del Turuñuelo als Fenster in die Welt der Tartesser. Solange die Isotopenanalyse und die weitere Auswertung noch ausstehen, bleiben manche Fragen offen, doch schon jetzt zählt der gut erhaltene Bronzewagen zu den auffälligsten Zeugnissen, die an diesem Ort geborgen wurden.
