Berlins Regierender Buergermeister Kai Wegner hat nachdruecklich fuer die Hauptstadt als deutschen Ausrichtungsort Olympischer und Paralympischer Spiele geworben. Deutschland will sich gleich fuer mehrere Termine bewerben, naemlich fuer 2036, 2040 und 2044, weil man es ernst meine und die Spiele nach Deutschland holen wolle. Im Inland ist die Lage allerdings ein Wettbewerb, denn Berlin steht in Konkurrenz zu Muenchen und Koeln-Rhein-Ruhr. Am 26. September wird entschieden, welche deutsche Stadt am Ende ins Rennen geht.
Bei einem entscheidenden Punkt sieht sich Berlin im Nachteil. Muenchen und Koeln-Rhein-Ruhr haben sich die Unterstuetzung ihrer Bevoelkerung bereits per Referendum gesichert, etwas, das Wegner nach eigenen Worten nicht leisten konnte. Die Berliner Landesverfassung lasse es nicht zu, dass er von oben einen Volksentscheid anordne, raeumte er ein. Hamburg habe eine vergleichbare Abstimmung mit einer Gesetzesaenderung moeglich gemacht, doch dafuer braeuchte er eine Zweidrittelmehrheit im Parlament, um die Landesverfassung zu aendern, und diese Mehrheit habe es nicht gegeben.
Statt eines Referendums setzte Berlin auf direkte Gespraeche. Wegner schilderte, man sei in die Kieze und in die Bezirke gegangen, habe mit den Menschen gesprochen und dabei viele Anregungen fuer das Konzept bekommen. Auch Kritiker seien bei diesen Gespraechen dabei gewesen. An der Stimmung in der Stadt lasse sich das Ergebnis ablesen, sagte er und sprach von einer Zustimmung von 56 bis 60 Prozent fuer olympische und paralympische Spiele in Berlin, die er als ziemlich eindeutig bezeichnete.
Im Mittelpunkt seiner Bewerbung steht die Idee nachhaltiger Spiele. Berlin verfolge ein Konzept der kurzen Wege, und bereits 97 Prozent der Sportstaetten seien schon vorhanden, betonte Wegner. Diese muessten lediglich modernisiert und fit fuer die Zukunft gemacht werden, und zwar nicht nur fuer die Spiele selbst, sondern auch fuer den Sport danach, fuer die Menschen und die Vereine in der Stadt. Darin sieht er eine grosse Chance fuer die Sportinfrastruktur.
Wegner rechnet bei den Spielen mit Kosten von rund 5,2 Milliarden Euro. Daran lasse sich erkennen, dass Olympische Spiele nicht nur ein grosser Kostenblock sein muessten, sondern auch wirklich eine Chance, argumentierte er. Vor allem koenne man in bestehende Infrastruktur investieren, in den Stadtumbau, in den oeffentlichen Personennahverkehr und in den Wohnungsbau. Das Olympische Dorf koenne anschliessend fuer 2.500 Wohnungen dienen, in denen ueber 5.000 Menschen leben koennten, Investitionen, die ohne die Spiele nicht moeglich waeren.
Symbolisch will Wegner das Brandenburger Tor in den Mittelpunkt der Spiele in Deutschland stellen. Dort sollten die Medaillen verteilt werden, und die Selfies vor dem Symbol der Freiheit und der Einheit gingen dann um die Welt. Das koenne dem Land dienen und den Menschen mehr Zusammenhalt bringen. Gerade in diesen Zeiten seien das wichtige Botschaften fuer die Welt, sagte er, und nannte den gesellschaftlichen Zusammenhalt einen Anlass, fuer den man die Spiele brauche.
Auch die deutsche Geschichte spielt in die Bewerbung hinein. Hundert Jahre nach 1936 wolle man deutlich machen, dass Wandel moeglich sei und dass Berlin heute keine Stadt in einer Diktatur, sondern in einer Demokratie sei, eine Stadt der Freiheit, der Vielfalt und der Weltoffenheit. Mit Blick auf die Politik aeusserte Wegner zudem, er glaube nicht, dass Olympia in Berlin am Ende an den Landesgruenen scheitere, und verwies darauf, dass gerade die jungen Leute bei den Zustimmungswerten auf seiner Seite seien.
