Dass man bei der Nutzung von KI-Chatbots vorsichtig sein sollte, ist hinlänglich bekannt, denn diese Programme machen häufig sachliche Fehler. Eine aktuelle Untersuchung zeigt jedoch ein weit ernsteres Problem: Ein Chatbot wird offenbar nicht aus Versehen ungenau, sondern ganz bewusst dazu benutzt, Desinformation in Umlauf zu bringen. Damit verschiebt sich die Debatte von harmlosen Fehlern hin zu gezielter Manipulation.
Aufgedeckt wurde dies von der Plattform Newsguard, die die Verlässlichkeit von Informationsquellen bewertet. In einer aktuellen Studie stellte Newsguard fest, dass ein Chatbot namens Uncensored AI von populären konservativen Social-Media-Konten gezielt eingesetzt wird. Das Ziel ist dabei, abwegige und unhaltbare Behauptungen zu verbreiten und ihnen zugleich einen Anstrich von Seriosität zu verleihen.
Der Mechanismus dahinter ist ebenso simpel wie wirkungsvoll. Indem fragwürdige Behauptungen über eine künstliche Intelligenz ausgegeben werden, erhalten sie einen Anschein von Glaubwürdigkeit, den ein bloßer Beitrag eines anonymen Kontos nicht hätte. Die vermeintlich neutrale Technik wird so zum Werkzeug, um Falschinformationen glaubwürdiger erscheinen zu lassen, als sie es tatsächlich sind.
Newsguard machte zudem deutlich, dass dieses Phänomen kein rein außereuropäisches ist. Auch Europa bleibt von der Verbreitung KI-gestützter Desinformation nicht verschont. Damit richtet sich die Warnung ausdrücklich auch an das europäische Publikum, das zunehmend mit Inhalten konfrontiert wird, die durch den Einsatz solcher Chatbots eine trügerische Autorität gewinnen.
Um die Tragweite zu prüfen, führte das Euronews-Format The Cube einen eigenen Test durch und ließ Uncensored AI mit auf dem Kontinent verbreiteten Desinformationsnarrativen arbeiten. Das Ergebnis war ernüchternd: Der Chatbot griff die falschen Erzählungen auf und gab sie mit geradezu chirurgischer Präzision wieder, anstatt sie als unhaltbar zurückzuweisen oder einzuordnen.
Festzuhalten bleibt, dass all diese vom Chatbot ausgegebenen Behauptungen vollständig falsch sind. Sie wurden von Experten und Faktenprüfern weltweit über die Jahre hinweg wiederholt widerlegt. Der Fall zeigt, wie aus einem fehleranfälligen Werkzeug ein bewusst genutztes Instrument der Desinformation werden kann, wenn es gezielt eingesetzt wird, um Unwahrheiten einen seriösen Anstrich zu geben.
