Der neue ungarische Ministerpräsident Peter Magyar wurde bei seinem Antrittsbesuch in Wien von Österreichs Bundeskanzler Christian Stocker empfangen. Im Mittelpunkt der Gespräche standen die Asbest-Verschmutzung in Westungarn, die nach Angaben Budapests durch österreichische Steinbrüche verursacht wird, sowie die Frage der Sondersteuern gegen österreichische Unternehmen in Ungarn.
Kanzler Stocker forderte ein Ende der Sondersteuern, die österreichische Unternehmen in Ungarn belasten. Magyar erklärte, seine Regierung könne diese erst dann überdenken, wenn sich der ungarische Haushalt wieder stabilisiert habe. Österreich ist der zweitgrößte Investor in Ungarn, was den wirtschaftlichen Beziehungen besonderes Gewicht verleiht. Stocker betonte, dass österreichische Unternehmen vor allem rechtsstaatliche Bedingungen und verlässliche Rahmenbedingungen bräuchten.
In der Außenpolitik sprach sich Magyar für eine Erweiterung der Visegrád-Gruppe aus, zu der bisher Ungarn, Polen, Tschechien und die Slowakei gehören. Der neue Regierungschef war direkt von Polen nach Österreich gereist, was die Bedeutung unterstreicht, die er den Beziehungen zu den Nachbarländern beimisst.
Der Antrittsbesuch endete im Präsidentenpalast, wo Magyar von Staatschef Alexander Van der Bellen empfangen wurde. Der neue Ministerpräsident reiste demonstrativ mit dem Zug zurück nach Ungarn, offenbar um den Kontrast zu seinem Vorgänger Viktor Orbán zu betonen, der fast nie mit öffentlichen Verkehrsmitteln unterwegs war.
Die Visite markiert einen Neuanfang in den ungarisch-österreichischen Beziehungen, die unter Orbán mehrfach belastet waren. Beobachter sehen in Magyars pragmatischem Auftreten und seiner Bereitschaft zum Dialog ein Signal, dass Ungarn unter neuer Führung eine konstruktivere Rolle in der mitteleuropäischen Zusammenarbeit anstrebt.
