Die Weltgesundheitsorganisation hat am Sonntag den internationalen Gesundheitsnotstand wegen des Ebola-Ausbruchs in der Demokratischen Republik Kongo und Uganda ausgerufen. WHO-Generaldirektor Tedros Adhanom Ghebreyesus begrundete die Entscheidung mit der raschen Ausbreitung der seltenen Bundibugyo-Variante des Virus, die bereits mehr als 300 Verdachtsfalle und uber 80 Todesfalle verursacht hat.
Die Bundibugyo-Variante stellt die Gesundheitsbehorden vor besondere Herausforderungen. Anders als bei der weiter verbreiteten Zaire-Variante gibt es fur diesen Stamm weder einen zugelassenen Impfstoff noch eine spezifische antivirale Behandlung. Mehrere Pharmaunternehmen prufen derzeit, ob bestehende Ebola-Medikamente auch gegen die Bundibugyo-Variante wirksam sein konnten, doch ein Ergebnis wird erst in mehreren Wochen erwartet.
Fur Deutschland ist das Risiko einer Einschleppung nach Einschatzung der Behorden ausserst gering. Die parlamentarische Staatssekretarin im Bundesgesundheitsministerium, Sabine Warken, betonte, dass die bestehenden Schutzmassnahmen an Flughafen und in Krankenhausern ausreichend seien. Dennoch wurden die Protokolle fur den Umgang mit Verdachtsfallen aktualisiert und die Universitatskliniken mit Sonderisolierstationen informiert.
Der Ausbruch hat sich vom ostlichen Kongo in stadtische Gebiete ausgebreitet und ist mittlerweile auch in Uganda nachgewiesen worden. Die Ausbreitung in dicht besiedelte Regionen erhoht das Risiko einer unkontrollierten Epidemie erheblich. Die humanitare Lage im Osten Kongos, wo bewaffnete Konflikte das Gesundheitssystem seit Jahren lahmlegen, erschwert die Eindammung zusatzlich.
Die Europaische Union hat ein Soforthilfepaket angekundigt und die Entsendung von Experten in die Region vorbereitet. Deutschland beteiligt sich uber das Robert-Koch-Institut und die Gesellschaft fur Internationale Zusammenarbeit an den internationalen Hilfsmassnahmen. Erfahrungen aus fruheren Ebola-Ausbruchen, insbesondere der Westafrika-Epidemie von 2014, fliessen in die aktuelle Strategie ein.
Die WHO hat ausdruecklich davon abgeraten, internationale Grenzen zu schliessen. Solche Massnahmen seien kontraproduktiv und konnten die Lieferung von medizinischen Gutern und die Entsendung von Fachpersonal in die betroffenen Gebiete behindern. Stattdessen empfiehlt die Organisation verstarktes Screening an Flughafen und Grenzubergangen in der Region.
Nachbarlander wie Ruanda, Sudsudan und die Zentralafrikanische Republik haben ihre Grenzbewachung verstarkt und Isoliereinrichtungen vorbereitet. Die internationale Gemeinschaft steht vor der Herausforderung, gleichzeitig auf mehrere Gesundheitskrisen reagieren zu mussen, darunter den Hantavirus-Ausbruch auf Kreuzfahrtschiffen und die fortwehrende Uberwachung von Atemwegserkrankungen.
Die kommenden Wochen werden entscheidend dafur sein, ob der Ausbruch eingedammt werden kann oder sich zu einer grosseren regionalen Krise ausweitet. Die Erfahrung zeigt, dass eine schnelle und koordinierte internationale Reaktion der beste Schutz gegen eine Ausbreitung ist. Die Ausrufung des internationalen Gesundheitsnotstands soll genau diese Koordination erleichtern und die Aufmerksamkeit der Weltgemeinschaft auf die Bedrohung lenken.
