Ein Verein in der deutschen Hauptstadt bereitet zwei Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg als Schutzräume für den Ernstfall vor. Die Anlage soll Platz für etwa neunhundert Personen bieten und den heutigen Ansprüchen an den Zivilschutz genügen.
Die Berliner Unterwelten verwalten bisher zwanzig Bunker aus dem Zweiten Weltkrieg. Große Teile davon wurden in ein Museum umgewandelt. Nun sollen zwei dieser Anlagen auch wieder als funktionsfähige Schutzräume zur Verfügung stehen.
Für die Wiederherstellung sind allerdings Investitionen erforderlich. Die Lüftungsanlage stammt beispielsweise noch aus den achtziger Jahren, der Zeit des Kalten Krieges. Erste Vorbereitungen hat der Verein bereits aus eigener Initiative getroffen, darunter die Beschaffung von Klappstühlen und mehreren hundert kleinen Wasserkanistern.
Auf Bundesebene hat Innenminister Alexander Dobrindt zwar zehn Milliarden Euro in einem Zivilschutzpakt versprochen, doch ein konkretes Schutzraumkonzept ist seit zwei Jahren in Arbeit und bisher ohne Ergebnis geblieben. Diese Verzögerung hat den Berliner Verein dazu bewogen, selbst die Initiative zu ergreifen.
Der Handlungsdruck wird durch Ereignisse in anderen Ländern verdeutlicht. In Litauen wurde am zwanzigsten Mai Luftalarm ausgelöst, bei dem alle Bürger eine Warnung auf dem Handy erhielten und sich in Schutzräume begeben sollten. Selbst hochrangige Politiker mussten in Schutzräumen ausharren.
In Deutschland stehen für ein derartiges Szenario derzeit kaum Schutzräume zur Verfügung. Diese Diskrepanz zwischen der sicherheitspolitischen Lage in Europa und der mangelnden Infrastruktur für den Zivilschutz hat eine breite öffentliche Debatte ausgelöst.
Die Initiative in Berlin könnte als Modell für andere deutsche Städte dienen, die ebenfalls über historische Bunkeranlagen verfügen. Die Frage, wie Deutschland seine Bevölkerung im Ernstfall schützen kann, gewinnt angesichts der geopolitischen Spannungen zunehmend an Dringlichkeit.
