Die Eisenbahngewerkschaft EVG warnt davor, dass mehrere deutsche Städte ihren Anschluss an den Fernverkehr verlieren könnten. Nach Darstellung der Gewerkschaft wären bis zu 16 Städte betroffen, darunter Aachen und Münster. Hintergrund ist der geplante Markteintritt eines neuen Wettbewerbers im deutschen Fernverkehr.
Am Aachener Hauptbahnhof halten im Schnitt 16 Fernzüge pro Tag. Für viele Menschen vor Ort ist diese Anbindung wichtig, gerade für Pendler und für Reisende, die beruflich oder privat regelmäßig unterwegs sind. Ein Wegfall der schnellen Verbindungen würde für sie eine deutliche Verschlechterung bedeuten.
Auslöser der Debatte ist das italienische Bahnunternehmen Italo, das 2028 in den deutschen Fernverkehr einsteigen will. Das Unternehmen kündigt neue Arbeitsplätze und günstigere Tickets an. Die EVG warnt jedoch, dass dieser Wettbewerb seinen Preis habe und am Ende ganze Städte vom Fernverkehr abgekoppelt werden könnten.
Besonders deutlich wäre der Einschnitt nach Angaben der Gewerkschaft auch in Münster. Dort fahren bislang 35 bis 45 ICE. Käme es so, wie die EVG befürchtet, würde es bei diesen Verbindungen eine deutliche Reduzierung geben, was bei vielen Fahrgästen auf Unverständnis stößt.
Fachleute bewerten die Warnung allerdings zurückhaltender. Der Journalist Niklas Hoth bezeichnet die von der EVG veröffentlichte Liste als sehr alarmistisch. Sie erwecke den Eindruck, dass Aachen und Münster komplett vom Fernverkehr abgehängt werden könnten, was unrealistisch sei. Es gehe maximal um einige wenige Züge, die wegfallen könnten.
Der eigentliche Kern der Meldung liegt nach dieser Einschätzung im Geschäftsmodell. Italo habe vor allem Interesse an den hochprofitablen Strecken, etwa von München nach Berlin. Verliert die Deutsche Bahn solche lukrativen Trassen, fehlt ihr Geld, um weniger rentable Verbindungen zu finanzieren. Die Deutsche Bahn gab dazu auf Anfrage zunächst keine Stellungnahme ab.
