In Gießen sorgt ein ungewöhnlicher Engpass im öffentlichen Nahverkehr für Probleme. Viele Fahrzeuge der städtischen Busgesellschaft stehen derzeit wegen technischer Mängel in der Werkstatt, insgesamt 20 von 58 Bussen. Damit fällt ein erheblicher Teil der Flotte aus, was sich unmittelbar auf den Betrieb auswirkt.
Die Folge ist vor allem zu den Stoßzeiten spürbar. Die Spitzenzeiten an Schulen und an der Universität werden nicht mehr durch Zusatzbusse abgefedert, sodass es für Schülerinnen und Schüler sowie für Studierende enger wird. Das Unternehmen selbst spricht von einer außergewöhnlichen Situation, die so bisher noch nie vorgekommen sei.
Aufgefallen waren die Mängel bei den üblichen Routineüberprüfungen in der betriebseigenen Werkstatt. An einem Bus verliert das Fahrzeug Kühlflüssigkeit, an einem anderen wurde ein Verschleiß am Achslenker festgestellt. Hinzu kamen Meldungen von der Gasanlage sowie Bremsen, die gewartet werden müssen, also ganz unterschiedliche Gründe.
Unklar ist nach Angaben des Unternehmens allerdings, warum die Mängel ausgerechnet jetzt bei so vielen Bussen gleichzeitig auftreten. Die Busse würden gut gewartet, und es sei auch ausreichend Personal vorhanden, das sich um die Fahrzeuge kümmere. Gerade deshalb seien die Mängel aufgefallen, und man habe entsprechend konsequent gehandelt.
Für Jochen Koppel von der Gewerkschaft Verdi ist die Lage jedoch nicht nur eine Ausnahme. Es solle alles betriebswirtschaftlich laufen, nichts werde auf Halte gestellt. Wenn aber kein Bus in Reserve stehe, habe man genau dann ein Problem, wenn viele Fahrzeuge auf einmal ausfielen und kein Ersatz da sei.
Dass es an Geld fehle, sei bekannt, so Koppel weiter. Auf der einen Seite wolle man den öffentlichen Personennahverkehr stärken, dann müsse man aber auch in ihn investieren. Wer nicht investiere, könne im Gegenzug auch nicht erwarten, dass der Verkehr ausgebaut und zuverlässig angeboten werde.
Die Geschäftsführung weist die Kritik zurück. Die Busflotte sei ausreichend groß, und die Häufung der Mängel sei eine Ausnahme. Vorerst gilt in Gießen wohl noch bis zum Ende der Woche ein Ferienfahrplan. Zugleich überlegt die städtische Busgesellschaft, zusätzliche Busse anzumieten, um die Ausfälle zumindest teilweise auszugleichen.
