Die politisch motivierte Kriminalität in Deutschland ist im vergangenen Jahr auf einen neuen Höchststand gestiegen. Bundesinnenminister Alexander Dobrindt und der Präsident des Bundeskriminalamts, Holger Münch, stellten die Statistik für das Jahr 2025 vor, die bundesweit rund 85.837 Straftaten ausweist. Es ist der höchste Wert, der bislang erfasst wurde.
Den Zahlen zufolge nahmen die Fälle sowohl im rechten als auch im linken Phänomenbereich zu. Besonders deutlich fällt der Anstieg bei den Gewalttaten aus, die in beiden Lagern gestiegen sind. Die Behörden sprachen von einer Entwicklung, die sie ausdrücklich beunruhige, und verwiesen auf die seit Jahren steigenden Kurven.
In der linken Szene verzeichneten die Ermittler ein Plus von 42 Prozent bei den Gewalttaten. Dieser starke Anstieg unterstreiche eine deutlich wachsende Bedrohung, hieß es. Münch sprach von einer erheblichen Mobilisierung, die dazu führe, dass Gewalttaten stärker als zuvor in der Gesellschaft in Erscheinung träten.
Zugleich betonten Dobrindt und Münch, dass mit Abstand die meisten Gewaltdelikte weiterhin von rechtsextremen Tätern verübt werden. Die größte Gefahr gehe nach wie vor vom Rechtsextremismus aus, machten beide deutlich, auch wenn die linke Szene zuletzt besonders mobil aufgetreten sei und so die Gesamtbilanz mitpräge.
Einen engen Zusammenhang sehen die Behörden mit dem Demonstrationsgeschehen des vergangenen Jahres. Zu den häufigen Delikten zählten Körperverletzungen, Widerstand gegen Polizeikräfte und Brandstiftungen. Vor allem bei Protesten, die sich gegen den politischen Gegner richteten, sei es zu Gewalt gegen Einsatzkräfte gekommen.
Münch verwies zudem auf eine Verbindung von Straßenkampf und Sabotage an der Stromversorgung, die in der linken Szene zusammenwüchsen. Erst am Vortag war es in Reutlingen erneut zu einem mutmaßlichen Brandanschlag gekommen. Auch ein Brandanschlag vom 3. Januar in Berlin habe seinerzeit erhebliche Auswirkungen auf die Stadt gehabt.
Die Ermittlungen liefen in alle Richtungen, doch die Indizien sprächen in mehreren Fällen für gezielte Brandanschläge, so Münch. Der Verfassungsschutz wolle sich dieser Szene künftig in besonderem Maße widmen und seine Kräfte im Kampf gegen den Linksextremismus deutlich aufstocken, um der Entwicklung entgegenzuwirken.
