Ist Stillen in der Öffentlichkeit anstößig oder etwas ganz Normales? Diese Frage schlägt in Saarbrücken seit der vergangenen Woche hohe Wellen. Auslöser war ein Vorfall in der Europa-Galerie, einem Einkaufszentrum in der Stadt, wo einer jungen Mutter das Stillen in der Öffentlichkeit untersagt worden war. Der Fall hat eine breite Debatte über den Umgang mit stillenden Müttern im öffentlichen Raum ausgelöst.
Die Leitung der Europa-Galerie hatte sich kurz darauf ausdrücklich für den Vorfall entschuldigt. Nach ihrer Darstellung habe ein Sicherheitsmitarbeiter einer Fremdfirma gehandelt und damit gegen die Prinzipien des Einkaufszentrums verstoßen. Mit dieser Klarstellung versuchte das Haus, sich von dem Verbot zu distanzieren und deutlich zu machen, dass es nicht der eigenen Linie entspreche.
Als Reaktion auf den Vorfall trafen sich Frauen und Mütter an dem Ort, um für das Stillen in der Öffentlichkeit zu demonstrieren, und zwar mit der ausdrücklichen Unterstützung der Hausherren. Mehr als 20 Mütter nahmen mit ihren Kindern an der Aktion teil. Organisiert hatten sie sich über die sozialen Medien, um gemeinsam ein sichtbares Zeichen zu setzen.
Im Mittelpunkt stand für die Teilnehmerinnen eine klare Botschaft: Stillen in der Öffentlichkeit dürfe kein Tabu sein. Während es als selbstverständlich gelte, einem Kind überall ein Fläschchen zu geben, werde der eigentlich natürlichere Weg, ein Kind zu stillen, als problematisch wahrgenommen. Eine Mutter brachte es mit der Frage auf den Punkt, warum die Brust, die geschaffen sei, um ein Kind zu ernähren, so stark sexualisiert werde.
Einige der Frauen gingen über die reine Forderung nach Akzeptanz hinaus. So sprach sich eine Mutter dafür aus, dass es ein gesetzliches Recht auf Stillen geben solle, egal wo und egal wann, und dass dieses Recht gesetzlich verankert werde. Damit verbanden die Teilnehmerinnen den konkreten Vorfall mit einer grundsätzlicheren Debatte über die Rechte stillender Frauen.
Dass der Anlass für die Aktion kein Einzelfall ist, machten mehrere Mütter mit eigenen Erfahrungen deutlich. Eine berichtete, sie habe sich einen ruhigen Platz gesucht, woraufhin sich ein Mann ihr gegenüber gesetzt und sie angestarrt habe, weil er den Stillvorgang sexualisiert habe. Eine andere erzählte, sie sei in einem Restaurant gebeten worden, sich zurückzuziehen, was sie und ihre Begleitung jedoch nicht getan hätten, sondern stattdessen gegangen seien.
Die Aktion stieß auf viel Zuspruch, aber auch auf Gegenwind, und das vor allem von anderen Frauen. In Reaktionen wurde unter anderem gefragt, warum eine Mutter ihre Milch nicht abpumpe und ihr Kind in der Öffentlichkeit mit der Flasche füttere. Andere Stimmen meinten, es solle nicht erlaubt sein, oder erklärten, sie hätten öffentliches Stillen schon immer albern gefunden und würden ihre Meinung dazu nicht ändern. Wieder andere fanden, man könne es tun, solange man sich dabei nicht zu sehr entblöße.
