Eine Reportage des NDR blickt hinter die Mauern eines der bekanntesten Gefängnisse Deutschlands, der Justizvollzugsanstalt Fuhlsbüttel in Hamburg, die viele nur unter dem Namen Santa Fu kennen. Schon früh herrscht dort reger Betrieb in der hauseigenen Bäckerei, in der 30 Langzeitgefangene gemeinsam mit fünf angestellten Bäckern Brot, Brötchen und Kuchen nahezu wie am Fließband produzieren.
Die einzige Bäckerei der Hamburger Justiz läuft nach Darstellung der Reportage wie eine ganz normale Großbäckerei draußen. Geleitet wird der Betrieb von Bäckermeister Matthias Opper. Er erklärt, dass die Gefangenen relativ autonom arbeiten, morgens hereinkommen, ihre festen Arbeitsplätze zugeteilt bekommen und nach klaren Backplänen vorgehen, als wäre es ein gewöhnlicher Arbeitstag.
Produziert wird zunächst Brot für die rund 2.200 Gefangenen, die in den fünf verschiedenen Hamburger Gefängnissen ihre Strafen verbüßen. Doch damit ist die Aufgabe der Bäckerei nicht erschöpft, denn sie versorgt auch externe Kunden. Dazu gehören nach Angaben des Betriebs viele Kindergärten und Altenheime, die regelmäßig mit frischen Backwaren beliefert werden.
Damit reicht die Verantwortung der Insassen weit über die Gefängnismauern hinaus. Kommen die Gefangenen morgens nicht zur Arbeit und backen die Brötchen nicht, dann haben Kinder in der Kinder- und Jugendnothilfe oder in den Kitas kein Frühstück, gerade dort, wo Kinder hinkommen, weil es zu Hause nicht funktioniert. Genau dieses Bewusstsein, so die Verantwortlichen, wolle man bei den Häftlingen schärfen.
Kurz vor fünf Uhr trifft die Frühschicht des Personals ein. Birte Meier arbeitet auf der Station D5 und zeigt an diesem Morgen einem neuen Kollegen die Abläufe, für den es der erste Tag in Santa Fu ist. Geduldig erklärt sie ihm die Schließtechnik mit Schnapp- und Stufenschloss und wann welche Riegel vorzuschieben sind, etwa wenn jemand zur Arbeit in Bäckerei, Küche oder Kammer ausgeschlossen wird.
Alle Zellen bleiben über die Nacht verriegelt, und die Kontrolle gehört zum festen Ablauf. Während drinnen die Frühschicht beginnt, dreht Marco Kleinhans seine Morgenrunde auf dem rund zwölf Hektar großen Gelände. Er kontrolliert die Zäune und die Mauer systematisch nach Auffälligkeiten, denn an der Sicherheit der Anlage darf es keine Abstriche geben.
Santa Fu ist ein Hochsicherheitsgefängnis, und das prägt den Alltag hinter den Mauern. Hier verbüßen Mörder, Räuber, Drogenhändler und Vergewaltiger ihre Strafen, verurteilte Straftäter mit einem Strafmaß von mehr als zweieinhalb Jahren bis hin zur lebenslangen Sicherungsverwahrung. Dass mitten in Hamburg ausgerechnet aus diesem Ort heraus täglich frisches Brot für Kitas und Altenheime kommt, macht den besonderen Charakter der Anstalt aus.
