Beim Tag der Bundeswehr hat sich die Truppe an zehn Standorten der breiten Öffentlichkeit präsentiert. Hinter dem großen Aufmarsch steht auch ein klares Ziel, denn auf diese Weise soll neues Personal gewonnen werden. Der Bedarf ist hoch, denn derzeit zählt die Bundeswehr knapp 186.000 Soldatinnen und Soldaten, und bis zum Jahr 2035 soll die Truppenstärke auf mindestens 260.000 anwachsen.
Wie anspruchsvoll der Dienst sein kann, zeigt der Soldatengrundfitness-Test, der es in sich hat. Beim Parcours quält sich der 14-jährige Carlos mit mehr als 40 Kilogramm Gewicht über die Strecke. Er kann sich durchaus vorstellen, später einmal Soldat zu werden, auch wenn sein Fazit zum Test eindeutig ausfällt, denn es sei anstrengend und brauche einiges an Übung.
Carlos ist mit seiner Familie zu der Veranstaltung gekommen, nachdem sein 17-jähriger Bruder eine Einladung der Bundeswehr erhalten hatte. Auf dem Gelände wird modernstes Militärgerät gezeigt, und die Bundeswehr fährt sichtlich groß auf. Es geht ihr dabei um die Akzeptanz in der Bevölkerung und zugleich um die dringend benötigte Gewinnung von Nachwuchs.
Genau an diesem Punkt setzt die Kritik an. Beobachter werfen dem Verteidigungsministerium vor, mit solchen Veranstaltungen gezielt Familien mit Kindern anzusprechen und so schon früh ein positives Bild vom Soldatenberuf zu vermitteln. Die Sorge ist, dass dabei auch Minderjährige umworben werden, die für eine solche Entscheidung eigentlich noch zu jung sind.
Verteidigungsminister Pistorius wies diesen Vorwurf zurück. Man rekrutiere keine Kinder, betonte er, das Früheste, was man rekrutiere, seien 17-Jährige mit dem Einverständnis der Eltern. Zugleich zeigte er Verständnis für Kritiker und sagte, er verstehe jeden, der sich damit unwohl fühle, und würde selbst lieber in einer Welt ohne Verteidigungsausgaben leben, wenn alle Länder friedlich wären.
Die neue PR-Offensive der Bundeswehr scheint dabei aufzugehen. Nach Angaben der Truppe kamen allein nach Neubiberg bei München an diesem Tag rund 30.000 Besucherinnen und Besucher. Bereits im vergangenen Jahr hatte das Militär eine Rekordzahl an neuen Rekrutinnen und Rekruten verzeichnet, was den Kurs der verstärkten Werbung aus Sicht der Verantwortlichen bestätigt.
Wie Eltern damit umgehen, wenn das eigene Kind zur Bundeswehr möchte, beschreibt ein Vater gelassen. Sein Sohn sei ein junger Mann, der auf eigenen Beinen stehe und seinen eigenen Weg suche, und wenn er das wolle, werde er dabei selbstverständlich unterstützt. Carlos selbst hat sich noch nicht entschieden und lässt sich Zeit. Minister Pistorius reiste nach dem Besuch in Neubiberg weiter ins sachsen-anhaltische Weißenfels.
