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Anklage gegen 13 Beschuldigte wegen Misshandlung im Gefängnis Gablingen

Anklage gegen 13 Beschuldigte wegen Misshandlung im Gefängnis Gablingen

Die Staatsanwaltschaft Augsburg hat im Skandal um die Justizvollzugsanstalt Gablingen Anklage gegen 13 Beschuldigte erhoben, darunter die Anstaltsleiterin. Die Ermittler sprechen von einem System der Willkür mit 102 betroffenen Gefangenen.

In der Justizvollzugsanstalt Augsburg-Gablingen sollen Gefangene über lange Zeit systematisch misshandelt worden sein. Die Staatsanwaltschaft Augsburg hat inzwischen gegen 13 Beschuldigte Anklage erhoben. Unter ihnen ist auch die Leiterin der Anstalt. Sowohl sie als auch die frühere stellvertretende Leiterin sind vom Dienst freigestellt.

Ans Licht gebracht hat die Vorwürfe zunächst eine Ärztin. Katharina Bauer war Medizinerin in der Anstalt und sprach als Erste über das, was dort geschehen sein soll. Ein Gefangener habe ihr gesagt, er laufe jetzt gegen die Wand, weil er es nicht mehr aushalten könne. Für Bauer war klar, dass es sich dabei um Folter handelt.

Schon vor drei Jahren schilderte die Ärztin die Zustände in einem Brandbrief an das bayerische Justizministerium. Gefangene seien über Wochen isoliert und komplett nackt gehalten worden. Sie hätten kein Nachthemd und keine Unterhose gehabt, keine Matratze, kein Kissen und keine Decke. Stattdessen hätten sie auf nacktem Betonboden liegen müssen.

Rechercheteams konnten zudem interne Chatprotokolle aus Gablingen auswerten, die die Ermittlungsbehörden Bediensteten des Gefängnisses zuordnen. In einem dieser Chats soll die damalige stellvertretende Leiterin erklärt haben, sie strebe in der Anstalt eine absolute Diktatur an. Die Unterlagen deuten nach Darstellung der Ermittler auf eine regelrechte Lust am Quälen hin.

Besonders ein Fall wiegt schwer. Einer der Beschuldigten soll einen Gefangenen im Krankenbett über eine Stunde lang terrorisiert und das Bett gerüttelt haben, damit der Mann nicht zur Ruhe kam. Der Gefangene soll daraufhin gesagt haben, er wolle lieber in eine Verbrennungsanlage, als das weiter zu ertragen. Die damalige stellvertretende Leiterin habe den Vorgang mit lachenden Smileys und den Worten gut gemacht kommentiert.

Nach Überzeugung der Ermittler hat die stellvertretende Leiterin selbst zwar keine Gefangenen körperlich angegriffen, die Sicherungsgruppe aber zu Gewalt ermutigt und gedeckt. Die Ankläger sprechen mit Blick auf Gablingen von einem System der Willkür. Betroffen sein sollen 102 Gefangene. Auch der frühere Häftling Milan G., der 2024 in der benachbarten Jugendhaftanstalt Neuburg-Herrenwörth saß, machte Bekanntschaft mit der Sicherungsgruppe und blieb blutend zurück.

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