Die Geschichtsprofessorin Christina Brüning aus Marburg hat zum ersten Mal öffentlich über die Drohungen gesprochen, die gegen sie gerichtet sind, und darüber, wie es ihr damit geht. Die vergangenen Monate seien für sie sehr hart gewesen.
Wegen der extremen psychischen Belastung habe sie mit 45 Jahren immer wieder über eine Frühpension nachgedacht, berichtet Brüning. Die anhaltende Bedrohungslage hat damit längst auch Folgen für ihre persönliche und berufliche Zukunft.
Brüning ist an der Universität Marburg für die Lehramtsausbildung im Fach Geschichte zuständig. In diesem Semester war sie nach eigenen Angaben aber bisher erst zweimal vor Ort, weil sie sich nicht mehr sicher fühlt. Marburg sei für sie und ihr Team zu einem Angstort geworden.
Die Folgen sind konkret. Menschen hätten sich aus dem Umfeld wegbeworben, und bei Veranstaltungen habe man das Gefühl, Personenschutz beantragen zu müssen. Seit Monaten arbeitet Brüning nur noch im Homeoffice, und ihr 14-köpfiges Forschungs- und Lehrteam ist in anonyme Büros umgezogen.
Mit den Morddrohungen hat sich auch das Landeskriminalamt befasst, konkret der Staatsschutz, der für politisch motivierte Straftaten zuständig ist. Die Ermittlungen sind nach Angaben auf eine Anfrage hin inzwischen jedoch ergebnislos eingestellt worden.
Brüning könnte aus verschiedenen Richtungen zur Zielscheibe geworden sein. Im vergangenen Oktober hatte sie mit dafür gesorgt, dass ein Burschenschaftskongress in Marburg keine Räume bekam. Mitte Mai gab es zudem eine antisemitische Schmiererei gegen sie, die mit einem Pro-Palästina-Aufruf verbunden war.
Vor allem fühlt sich Brüning von Personen unter Druck gesetzt, die aus ihrer Sicht rechtsextreme Werte vertreten und zum Teil in rechtsextremen Gruppierungen organisiert seien. Der Wissenschaftler Christoph Haker, der viel zu Rechtsextremismus an Universitäten geforscht hat, erkennt darin einen Trend.
