Die anhaltende Trockenheit setzt einer der wichtigsten Wasserstraßen Deutschlands immer stärker zu. Wegen ausbleibender Niederschläge befürchten die deutschen Binnenschiffer, dass die Rhein-Route in dieser Woche unterbrochen wird. Nach Angaben des Bundesverbands der Deutschen Binnenschifffahrt könnte der Fluss dann nicht mehr durchgängig befahren werden und faktisch in zwei Teile zerfallen.
Besonders im Blick steht dabei der Pegel Kaub zwischen Koblenz und Mainz, der als wichtiger Referenzwert für die Rhein-Schifffahrt und die Wirtschaft gilt. Verbandsgeschäftsführer Jens Schwanen sagte der Rheinischen Post, im Laufe der Woche werde dort nur noch ein einstelliger Pegelstand erwartet, also ein Wert von unter zehn Zentimetern. Ein solch niedriger Stand wird an dieser Stelle nur selten gemessen.
Der Abschnitt zwischen Koblenz und Mainz ist ohnehin vergleichsweise flach, weshalb der Verband die erwarteten Werte mit besonderer Sorge betrachtet. Bei einem derart niedrigen Wasserstand könnten die Frachtschiffe in dieser Region keine Güter mehr transportieren. Betroffen wären zudem auch Tagesausflüge und die Fahrten der Kreuzfahrtschiffe auf dem Rhein, die für die Tourismusbranche der Region wichtig sind.
Sollte der Rhein tatsächlich in zwei Bereiche geteilt werden, hätte das weitreichende Folgen für den Güterverkehr. Waren aus den großen Nordseehäfen Rotterdam und Antwerpen müssten dann umgeladen und mit Zügen oder Lastwagen weitertransportiert werden. Vor allem für die Belieferung der Schweiz drohen dadurch Engpässe, warnen die Binnenschiffer, da viele Güter über den Rhein ins Land gebracht werden.
Schon jetzt stellen die niedrigen Pegelstände in den großen deutschen Flüssen die Schifffahrt vor große Probleme. Die Frachtschiffe können bei Niedrigwasser nur noch einen Teil ihrer üblichen Ladung transportieren, weil sie sonst auf Grund laufen würden. Das treibt die Transportkosten in die Höhe und belastet Industrie und Handel, die auf den Rhein als kostengünstigen Transportweg angewiesen sind.
Hintergrund der angespannten Lage ist die anhaltende Trockenheit in weiten Teilen Europas. Die Monate Juni und Juli waren in Westeuropa nach Angaben des EU-Erdbeobachtungsdienstes Copernicus so heiß wie noch nie seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Fehlende Niederschläge und hohe Temperaturen lassen die Flusspegel seit Wochen immer weiter sinken.
Niedrigwasser am Rhein ist kein neues Phänomen, doch es tritt in den vergangenen Jahren immer häufiger und ausgeprägter auf. Für die Schifffahrt und die von ihr abhängige Wirtschaft bedeutet jede längere Trockenperiode ein wachsendes Risiko. Die Binnenschiffer beobachten die Entwicklung der kommenden Tage daher genau und hoffen auf Regen, der die Lage zumindest vorübergehend entspannen könnte.
