Die Inflation in der Eurozone ist im August wieder spürbar angezogen und auf 3,3 Prozent geklettert, nachdem sie im Juli noch bei 2,9 Prozent gelegen hatte. Das geht dem Bericht zufolge aus einer Schnellschätzung des europäischen Statistikamts Eurostat hervor. Damit entfernt sich die Teuerung im gemeinsamen Währungsraum erneut deutlicher von der Marke, die die Währungshüter eigentlich anstreben, und rückt die Preisentwicklung wieder stärker in den Mittelpunkt der wirtschaftlichen Debatte.
Für den Anstieg war dem Bericht nach vor allem der Energiesektor verantwortlich. Die Energiepreise legten um 14,3 Prozent zu und waren damit der wichtigste Treiber der Gesamtrate. Als Grund werden höhere Öl- und Gaspreise genannt, die im Zusammenhang mit dem Krieg im Iran und den Beeinträchtigungen in der Straße von Hormuz stehen. Gerade dieser eine Bereich sorgte somit dafür, dass die Inflationszahl für den Monat August so kräftig ausfiel.
Blickt man über den Energiesektor hinaus, so zeigte sich ein deutlich ruhigeres Bild. Abgesehen von den Energiepreisen blieb der Inflationsdruck dem Bericht zufolge eher moderat. Das bedeutet, dass die auffällig hohe Gesamtrate in erster Linie auf die Energie zurückzuführen ist, während sich die Preise in vielen anderen Bereichen der Wirtschaft weit weniger stürmisch entwickelten und für sich genommen ein zurückhaltenderes Tempo aufwiesen.
Das lässt sich auch am wichtigen Dienstleistungssektor ablesen, der für die Notenbanker besonders aussagekräftig ist. Die Inflation im Dienstleistungsbereich ging dem Bericht zufolge von 3,3 Prozent auf 3 Prozent zurück. Statt sich weiter zu beschleunigen, verlor die Teuerung in diesem Segment also leicht an Schwung, was darauf hindeutet, dass der Preisauftrieb bei Dienstleistungen im August nicht die treibende Kraft hinter der höheren Gesamtrate war.
Ein ähnliches Signal sendet die sogenannte Kerninflation, bei der die schwankungsanfälligen Bereiche Energie, Lebensmittel, Alkohol und Tabak herausgerechnet werden. Diese Kernrate sank dem Bericht nach von 2,5 Prozent auf 2,4 Prozent. Auch dieser Wert stützt den Eindruck, dass der zugrunde liegende Preisdruck in der Eurozone nachlässt, sobald man die stark gestiegenen Energiekosten aus der Betrachtung ausklammert und den Rest des Warenkorbs betrachtet.
Innerhalb des Währungsraums fielen die Unterschiede zwischen den Ländern erheblich aus. In den Dienstleistungswirtschaften verzeichnete Spanien mit 4,5 Prozent eine Rate, die deutlich über dem Durchschnitt der Eurozone lag. Deutschland und Frankreich blieben mit 2,9 beziehungsweise 2,7 Prozent dagegen darunter. Die Zahlen zeigen, wie ungleichmäßig sich die Teuerung über die einzelnen Mitgliedstaaten verteilt und wie unterschiedlich die Preislage vor Ort ausfällt.
Für die Geldpolitik hat all das unmittelbare Folgen. Da die Inflation nun deutlich über dem Zwei-Prozent-Ziel der Europäischen Zentralbank liegt, wird dem Bericht zufolge erwartet, dass die Notenbank im September die Zinsen um einen Viertelprozentpunkt anhebt. Die höhere Augustrate verstärkt damit die Aussicht auf einen weiteren Zinsschritt, mit dem die Währungshüter dem Preisauftrieb entgegenwirken und die Teuerung wieder in Richtung ihres Ziels lenken wollen.
