Die Migrationskrise in der spanischen Exklave Ceuta beschaeftigt weiterhin die hoechsten Ebenen der Europaeischen Union. Die Europaeische Kommission bestaetigte, dass derzeit Gespraeche zwischen Bruessel und Spanien ueber zusaetzliche finanzielle Unterstuetzung fuer Ceuta laufen. Anlass ist der Massenansturm der vergangenen Woche, bei dem rund 72.000 Marokkaner illegal in die spanische autonome Stadt in Nordafrika gelangten, eine Zahl, die die Aufnahmefaehigkeit der kleinen Exklave bei Weitem uebersteigt.
Der Ansturm der vergangenen Tage forderte einen hohen menschlichen Preis. Nach den vorliegenden Angaben kamen bei den Ereignissen mindestens 88 Menschen ums Leben. Damit wurde Ceuta, sonst ein ruhiges spanisches Gebiet an der nordafrikanischen Kueste, binnen weniger Tage zum Schauplatz einer der schwersten Migrationskrisen, die die Region in juengerer Zeit erlebt hat.
In den Tagen danach kehrte sich die Lage fast ebenso schnell wieder um, wie sie eskaliert war. Die spanischen Behoerden gaben am Montag bekannt, dass nach den Ereignissen der vergangenen Woche bereits rund 70.000 Personen nach Marokko zurueckgekehrt seien. Die rasche Rueckkehr des Grossteils der Angekommenen verdeutlicht, wie ploetzlich und kurzlebig der Ansturm selbst gewesen war.
Nicht alle verliessen die Stadt jedoch wieder. Nach Angaben der Behoerden blieben bis zu 5.000 Menschen in Ceuta, darunter 860 unbegleitete Minderjaehrige, also Kinder, die ohne jede Begleitung durch Angehoerige ankamen und nun vollstaendig auf die oertlichen Behoerden und Hilfskraefte angewiesen sind. Ihre Versorgung zaehlt zu den draengendsten Problemen fuer eine Stadt, die sich unvermittelt Tausenden schutzbeduerftigen Ankoemmlingen gegenuebersah.
Fuer die Hilfsorganisationen vor Ort erwies sich das Ausmass des Notstands als ueberwaeltigend. In Ceuta taetige NGOs geben an, dass sie auf eine Krise dieser Groessenordnung nicht vorbereitet waren, und warnen, dass viele der ankommenden Kinder unter der Hitze und unter Hunger leiden. Die Belastung der oertlichen Unterkuenfte und Dienste macht die Kluft zwischen dem ploetzlichen Zustrom und den verfuegbaren Mitteln zur Versorgung der Gebliebenen deutlich sichtbar.
Vor diesem Hintergrund finden nun die Verhandlungen ueber die Finanzhilfen statt. Eine mogliche zusaetzliche Unterstuetzung kaeme nach Angaben der Kommission zu den rund 114 Millionen Euro an Soforthilfe hinzu, die bereits im Anschluss an eine ausserordentliche Sitzung am Dienstag zur Eroerterung der Migrationskrise bereitgestellt wurden. Bruessel betonte allerdings, der Antrag sei noch nicht endgueltig ausgearbeitet, ebenso wenig wie die Hoehe der beantragten Mittel, sodass offen bleibt, wie viel zusaetzliche Hilfe Ceuta letztlich erhalten wird.
