Nach jahrelangen Pannen und langen Ausfällen fährt die Fähre über die Schlei, einen Ostseearm in Schleswig-Holstein, endlich wieder. Sie verbindet zunächst erst einmal wieder die Dörfer Missunde und Brodersby miteinander. Für die Menschen im nördlichen Schleswig-Holstein grenzt die Rückkehr der Verbindung nach den vielen Problemen der vergangenen Zeit fast schon an ein Wunder. Entsprechend groß ist die Erleichterung bei denjenigen, die auf die Fähre angewiesen sind.
Wie belastend die Ausfälle waren, zeigt der Aufwand, den viele Pendlerinnen und Pendler betreiben mussten. Fiel die Fähre aus, bedeutete das für sie täglich rund 40 Kilometer Umweg. Über einen so langen Zeitraum summiert sich das zu einer erheblichen Mehrbelastung im Alltag, die viele Menschen in der Region deutlich zu spüren bekamen. Der Weg zur Arbeit und zurück wurde so zur täglichen Geduldsprobe.
Erschwerend kommt hinzu, dass es kaum Ausweichmöglichkeiten gibt. Die nächstgelegene Brücke bei Lindaunis ist eine Dauerbaustelle, und alle anderen Schleiquerungen liegen weit entfernt. Wer auf die Fähre verzichten musste, hatte damit praktisch keine bequeme Alternative, um auf die andere Seite des Gewässers zu gelangen. Die geografische Lage macht die Fährverbindung für die Dörfer nahezu unverzichtbar.
Der Unmut auf dem Land war angesichts der Dauerprobleme längst in Wut umgeschlagen, vor allem auf die aus Sicht vieler Betroffener untätige Politik. Ausgerechnet rechtzeitig zur Sommerwanderung von Ministerpräsident Daniel Günther, die ihn an diesem Morgen an die Schlei führte, wagte man einen letzten Versuch, die windanfällige Missunde 3 wieder in einen verkehrssicheren Zustand zu versetzen. Der Zeitpunkt sorgte dafür, dass der Regierungschef nicht vor einer stillstehenden Fähre stehen musste.
Die entscheidende Reparatur kam dabei aus der Region selbst. Die problematische Festmacheinrichtung wurde mit Ringen, Federn und viel Schweißarbeit verstärkt. Die Idee dazu hatte ein Anwohner, der die Sache kurzerhand selbst in die Hand nahm: Weil sich niemand sonst gekümmert habe, habe er es eben selbst gemacht, schilderte er. Umgesetzt wurde die Lösung dann vom örtlichen Betrieb, der mit Metall arbeitet, und zwar bereits am Samstagmorgen um sieben Uhr.
Bislang funktioniert dieses Provisorium, doch die grundsätzlichen Zweifel bleiben. Die moderne Solarelektrofähre Missunde 3 sollte eigentlich klimafreundlich auf der Schlei ihren Dienst tun. Trotz Gesamtkosten von rund 6,5 Millionen Euro steht ihr langfristiger Einsatz jedoch infrage, insbesondere mit Blick auf die beginnende stürmische Jahreszeit. Kommt man zu dem Schluss, dass die Fähre in den schwierigeren Situationen im Herbst und Winter nicht zuverlässig sein kann, soll parallel an einer anderen Lösung gearbeitet werden.
Diese Lösung heißt Missunde 2. Die alte Vorgängerfähre hatte man einst für 17.000 Euro verkauft und für ein Vielfaches davon wieder zurückgekauft, als sich die Probleme bei der Missunde 3 häuften. Im Herbst soll die 2 nun erneut fahren, möglicherweise sogar bis zum Bau einer ganz neuen Fähre. Für die Menschen an der Schlei zählt vorerst vor allem, dass sie überhaupt wieder übersetzen können, nachdem der jahrelange Ärger ihren Alltag geprägt hatte.
