Auf den Daechern russischer Diplomatengebaeude in Europa haeufen sich auffaellige Antennen und Aufbauten, die zunehmend Fragen aufwerfen. Eine Recherche des Dossier Center und mehrerer europaeischer Medien hat eine grosse Zahl solcher Antennen und Dachstrukturen auf russischen Vertretungen quer durch Europa kartiert und damit den Verdacht auf Spionage neu entfacht.
Die Untersuchung fand ungewoehnliche Dachstrukturen unter anderem auf russischen Diplomatengebaeuden in Belgien, Spanien und Polen. Die schiere Menge und Bauart dieser Aufbauten passt nach Darstellung der Rechercheure nicht zu dem, was man fuer eine rein diplomatische Kommunikation erwarten wuerde.
Geheimdienstexperten sagten dem Rechercheteam von Euronews, The Cube, dass einige dieser Systeme Spionageaktivitaeten unterstuetzen koennten. Sie seien technisch in der Lage, weit mehr zu leisten als nur den Kontakt zur Zentrale in Moskau zu halten.
Konkret koennten solche Anlagen den Angaben zufolge Funkwellen, Satellitenkommunikation und unverschluesselten Internetverkehr abfangen. Damit liesse sich prinzipiell ein breites Spektrum an Kommunikation der Gastlaender und der dort ansaessigen Organisationen mitschneiden.
Zur Einordnung verweisen Fachleute darauf, dass auch die USA an ihren Botschaften Satellitenschuesseln auf den Daechern nutzen, um zu kommunizieren. Analysten betonen jedoch, dass die auf den russischen Gebaeuden entdeckten Strukturen ungewoehnlich seien fuer Systeme, die ausschliesslich der festen diplomatischen Kommunikation dienen sollen.
Oesterreich ist dabei kein Einzelfall, sondern reiht sich in ein europaweites Muster ein. Die Hauptstadt Wien wird seit Langem mit mutmasslicher Spionagetaetigkeit in Verbindung gebracht und gilt vielen Beobachtern als ein Knotenpunkt fuer nachrichtendienstliche Aktivitaeten auf dem Kontinent.
Ein Grund dafuer ist die Rolle Wiens als Sitz zahlreicher internationaler Organisationen. In der Stadt sind unter anderem die Vereinten Nationen, die Internationale Atomenergie-Organisation und die OSZE angesiedelt, die groesste regionale Sicherheitsorganisation der Welt. Gerade diese Dichte an Institutionen macht die oesterreichische Hauptstadt zu einem besonders sensiblen Ort, an dem abgefangene Kommunikation von hohem Wert waere.
