Russlands Praesident Wladimir Putin hat zum ersten Mal die umstrittenen Kurileninseln besucht. Der Besuch sorgte fuer heftige Proteste aus Tokio, denn auch Japan beansprucht die Inselgruppe fuer sich. Damit belastet die Reise erneut das ohnehin angespannte Verhaeltnis zwischen Moskau und Tokio.
Die japanische Regierung reagierte umgehend und deutlich. Aussenminister Toshimitsu Motegi verurteilte die Reise des russischen Staatschefs und erklaerte, die Kurilen gehoerten sowohl historisch als auch voelkerrechtlich unbestreitbar zu Japan. Aus Sicht Tokios ist der Besuch damit eine gezielte Provokation in einem seit Jahrzehnten schwelenden Territorialstreit.
Auf der groessten Insel Iturup besuchte Putin nach Angaben von Euronews eine Schule, ein Krankenhaus und eine Fischfabrik, wo er Kaviar testete. Der Auftritt sollte offenkundig unterstreichen, dass Moskau die Inseln als festen Bestandteil seines Staatsgebiets betrachtet und in ihre Infrastruktur investiert.
Zuvor war der Praesident auf der nahegelegenen russischen Insel Sachalin, um ein Marinemanoever zu ueberwachen. Nach Darstellung des Senders war es Putins erster Besuch bei der Pazifikflotte seit 2013, was die militaerische Dimension der Reise zusaetzlich betonte.
Der Streit um die Inseln reicht weit zurueck. Die Sowjetunion hatte das Kurilen-Archipel im Zweiten Weltkrieg im August 1945 eingenommen. Die mineralreichen Inseln haben fuer den Kreml an strategischer Bedeutung gewonnen, da sie als Militaerstuetzpunkte und fuer den Fischfang genutzt werden.
Auch die Bevoelkerungsgeschichte praegt den Konflikt. Auf den Inseln lebten zuvor etwa 17.000 Japaner, die die Sowjetunion kurz nach der Annexion deportierte. Heute leben dort rund 20.000 russische Staatsbuerger. Einen Friedensvertrag zwischen Russland und Japan gibt es bis heute nicht, was eine Loesung des Territorialstreits weiter erschwert.
Das Verhaeltnis zwischen beiden Laendern gilt als angespannt, nicht zuletzt wegen Russlands guten Beziehungen zu Nordkorea und China. Ein hochrangiger Besuch auf den Kurilen ist zudem nicht ohne Vorbild: Bereits 2010 war der damalige Praesident Dmitri Medvedev auf die Inselgruppe gereist und hatte damit ebenfalls Proteste in Japan ausgeloest.
