Wie die Culinary Grand Tour den Schweizer Herbsttourismus kulinarisch neu erfindet.
Am 5. Oktober waren im Zürcher Kaufleuten mehr als 500 Gäste versammelt, um zu schmecken, zu reden und sich zu vernetzen. Es war die Premiere der Culinary Grand Tour als physische Veranstaltung, organisiert von Schweiz Tourismus in Zusammenarbeit mit dem Medienunternehmen Monocle.
Das Besondere: Dieses Event ist nicht einfach ein weiteres Gastro-Treffen. Es ist die logische Fortsetzung einer YouTube-Serie, die seit drei Jahren durchs Land reist und regionale Spezialitäten ins Licht rückt. Nun wurde das digitale Format in einen konkreten Abend verwandelt, der Produzenten und Gastronomen direkt gegenüberbringt.
Von YouTube in den Ballsaal
Die Culinary Grand Tour of Switzerland ist kein unbekanntes Format. Noah Bachofen und Nico Franzoni haben seit drei Jahren 13 Folgen produziert, in denen sie die kulinarische Schweiz bereisen. Ihr Fokus liegt klar auf dem jüngeren Publikum, das sonst oft von klassischen Tourismus-Angeboten abgemalt wird.
Nun hat sich das Format erweitert. Aus dem Bildschirm ist der Ballraum im Kaufleuten geworden. Die Gäste konnten dort Weine, Käse und Schokolade degustieren, direkt mit den Menschen hinter den Produkten sprechen. Es ist ein direkter Draht, der sonst oft fehlt.
Die Aufzeichnung der Gesprächsrunde für die Sendung «The Entrepreneurs» zeigt, dass dieses Event auch über die Schweiz hinausstrahlt. Es ist kein rein lokales Happening, sondern ein Teil einer grösseren Strategie.

Der Herbst als Reisezeit
Schweiz Tourismus verfolgt mit diesem Event ein klares Ziel: den Herbsttourismus stärken. Der Sommer ist voll, aber der Herbst? Der wird oft unterschätzt. Dabei bietet er genau die Kulinarik, die aktuell so gefragt ist.
Die Weinlese in den Kellern, der Fribourger Bénichon, die Kastanienmärkte im Tessin. All diese Traditionen werden als zusätzliche Reiseanlässe positioniert. Es geht nicht nur um Essen, sondern um Erlebnisse, die man im Herbst besser geniessen kann als im Hochsommer.
Die Veranstaltung im Kaufleuten ist ein Baustein dieser Strategie. Sie zeigt, wie digitale Inhalte und physische Erlebnisse zusammenspielen können, um neue Zielgruppen zu erreichen.

Wer spricht über die Zukunft der Gastronomie?
Die Gesprächsrunde war prominent besetzt. Beat Imhof, Präsident von GastroSuisse, diskutierte mit Spitzenkoch Silvio Germann. Dazu kamen Winzerin Anne-Claire Schott und Produzent Georges Stähli. Vier Perspektiven, die zusammen ein ganzes Bild der Schweizer Gastronomie zeichnen.
Imhof sprach über die strukturellen Herausforderungen, während Germann aus der Küche berichtete. Schott und Stähli brachten die Produzenten-Perspektive ein. Diese Mischung ist selten, und genau deshalb wertvoll.
Die Aufzeichnung für «The Entrepreneurs» sorgt dafür, dass diese Gedanken nicht im Saal verbleiben, sondern ein breiteres Publikum erreichen. Das ist klug gedacht.

Produzenten im Fokus
Im Ballsaal standen die Produkte im Zentrum. Schweizer Weine, Käse, Schokolade. Aber noch wichtiger: die Menschen, die sie herstellen. Die Gäste konnten nicht nur probieren, sondern auch Fragen stellen, Hintergrundwissen bekommen, Beziehungen knüpfen.
Das ist der Kern der Culinary Grand Tour. Es geht nicht um anonyme Ware, sondern um Geschichten. Um die Hände, die den Käse formen, um die Reben, die den Wein tragen. Diese Personalisierung macht den Unterschied.
Für die Produzenten ist das eine Chance, sich direkt an Endverbraucher zu wenden, ohne den Umweg über den Grosshandel. Für die Gastronomie ist es eine Quelle für neue Ideen und Partnerschaften.
Was das für die Schweiz bedeutet
Die Schweiz hat ein Imageproblem im Tourismus. Sie wird oft als teuer und statisch wahrgenommen. Die Culinary Grand Tour versucht, genau das zu verändern. Sie zeigt eine Schweiz, die lebendig ist, die Geschichten hat, die schmeckt.
Indem sie den Herbst als Reisezeit positioniert, schafft sie einen neuen Markt. Nicht nur für die Gastronomie, sondern für die ganze Lieferkette. Vom Winzer bis zum Gastronomen, vom Produzenten bis zum Besucher.
Die Premiere im Kaufleuten war ein Erfolg. Jetzt kommt es darauf an, wie dieses Format weiterwächst, wie es in andere Städte gebracht wird, wie es die digitale und die physische Welt verbindet. Die Culinary Grand Tour ist erst am Anfang.
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