Die 50 Best Bars 2026 sind da. Der Sieger aus Hongkong serviert italienische Klassiker, Paris holt auf und Deutschland fehlt komplett. Ein Blick hinter die Kulissen des neuen Rankings.
Am 7. Oktober 2026 wurde in Mailand die neue Liste der besten Bars der Welt vorgestellt. Auf Platz eins steht erneut die Bar Leone in Hongkong. Das ist überraschend, denn der Ort gibt es erst seit 2023. Der italienische Barkeeper Lorenzo Antinori hat dort zusammen mit Justin Shun Wah ein ganz bestimmtes Gefühl nach Asien gebracht. Es ist kein Ort der großen Show, sondern der gelebten Normalität.
Stattdessen gibt es Klassiker wie Negroni oder Martini dazu belegte Sandwiches. An den Wänden hängen Fußball Erinnerungsstücke. Das Team selbst spricht von Cocktail popolari, also Cocktails fürs Volk. In einer Stadt wie Hongkong, wo Perfektion oft an der Oberflächlichkeit zerbricht, wirkt diese bodenständige Nähe fast revolutionär. Es geht nicht um Effet, sondern um das Gefühl, in einer römischen Nachbarschaftsbar zu sitzen, während man fern der Heimat ist.
Mailand holt auf, Paris übernimmt
Auf Rang zwei klettert das Moebius Milano, das im Vorjahr noch auf Platz sieben lag. Die Bar ist Teil eines Komplexes in einem ehemaligen Textil Lagerhaus. Dort verschmelzen Drinks, Essen, Musik und Design zu einem einzigen Ganzen. Platz drei geht an das Alquímico im kolumbianischen Cartagena. Das Gebäude ist ein Kolonialbau mit drei Etagen, der sich auf heimische Zutaten spezialisiert hat.
Vierter ist die Bar Us in Bangkok. Ihre Karte ist wie ein Menü aufgebaut, unterteilt in Starter, Main und After. Die Top 5 komplettiert die Line in Athen. Diese Bar befindet sich in einer früheren Kunstgalerie und arbeitet mit selbst fermentierten Zutaten. Diese Vielfalt zeigt, wie unterschiedlich die Definition von exzellent sein kann. Von der fermentierten Tiefe in Athen bis zur nostalgischen Wärme in Hongkong.

Europa dominiert, Deutschland fehlt
Mit 18 Bars ist Europa der am stärksten vertretene Kontinent in diesem Jahr. Paris hat London als europäische Spitzenstadt überholt. Die französische Hauptstadt liegt mit vier Einträgen gleichauf mit Hongkong und New York. Das ist ein starker Beleg dafür, dass die Bar Szene in Frankreich gerade in einer außergewöhnlichen Phase steckt. Die Konkurrenz ist hart, aber die Qualität scheint dort gerade einen neuen Höhepunkt zu erreichen.
Für Deutschland, Österreich und die Schweiz gibt es dagegen keinen Grund zum Anstossen. Keine einzige Bar aus diesen Ländern schaffte es in die Top 50. Das ist ein harter Schlag für die heimische Szene, die sich oft für Weltklasse hält. Es zeigt auch, dass internationale Rankings nicht immer die lokale Wahrnehmung widerspiegeln. Vielleicht liegt es an der fehlenden Internationalität der Karte, vielleicht an der fehlenden Story. Auf jeden Fall bleibt die Lücke spürbar.

Neueinsteiger und alte Hasen
Unter den Top 10 finden sich auch einige Namen, die man nicht sofort erwartet. Das Handshake Speakeasy in Mexiko Stadt steht auf Platz sechs. In Seoul liegt das Zest auf Platz sieben, dicht gefolgt von der Connaught Bar in London auf Platz acht. Die Lady Bee in Lima belegt Platz neun. Diese Liste ist kein Zufallsprodukt, sondern das Ergebnis jahrelanger Arbeit und Ausrichtung.
Platz zehn belegt die Bar Mauro, ebenfalls in Mexiko Stadt. Sie ist der höchstplatzierte Neueinsteiger in diesem Jahr. Das zeigt, wie schnell sich ein Ort etablieren kann, wenn das Konzept stimmt. Die Dynamik in der Bar Szene ist enorm. Was heute auf Platz zehn steht, kann morgen schon auf Platz drei sein. Oder es fällt wieder ab. Die Fluktuation ist Teil des Spiels.

Was bedeutet das Ranking wirklich?
Was die beste Bar der Welt ist, liegt im Auge des Betrachters. Für manche ist es die Spelunke im Viertel, deren Wirt längst weiß, was man trinkt. Für andere ist es ein Ort mit feinem Service, ausgefeilten Cocktails und besonderem Ambiente. Die Liste liefert eine Antwort aus Sicht der internationalen Barbranche. Sie ist ein Momentaufnahme, ein Statement, das die Branche für sich selbst definiert.
Doch das wahre Maß ist die Erfahrung. Ob die Bar Leone in Hongkong wirklich die beste ist, kann nur ein Gast selbst entscheiden. Das Ranking ist ein Startpunkt, keine Endgültigkeit. Es inspiriert, es proviziert, es setzt Maßstäbe. Aber am Ende zählt nur, was man im Glas hat und wie man sich dabei fühlt. Der Rest ist Geschichte, die geschrieben wird, während die Drinks serviert werden.
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