Immer heißere Sommer am Mittelmeer lassen viele Reisende umdenken. Unter dem Begriff Coolcation zieht es sie stattdessen in den kühlen Norden Europas. Was hinter dem Trend steckt und worauf man sich einstellen sollte.
Der Sommer in Südeuropa ist längst nicht mehr für alle ein reines Vergnügen. Wo früher vor allem Sonne und laue Abende lockten, sorgen inzwischen immer häufiger extreme Hitzewellen für Schlagzeilen. Viele Urlauber überdenken deshalb gerade grundlegend, wohin die schönsten Wochen des Jahres künftig überhaupt noch führen sollen.
Aus diesem Umdenken ist ein handfester Reisetrend entstanden, der mittlerweile sogar einen eigenen Namen bekommen hat. Unter dem Begriff Coolcation entscheiden sich immer mehr Menschen ganz bewusst für kühlere Ziele, statt sich am überfüllten Mittelmeer der drückenden Mittagshitze auszusetzen. Der Norden Europas rückt dabei klar in den Mittelpunkt.
Wenn der Süden zu heiß wird
Rund um das Mittelmeer werden die Sommer messbar heißer, und Temperaturen jenseits der vierzig Grad sind in manchen Regionen kaum noch eine Seltenheit. Für Familien mit kleinen Kindern, ältere Reisende oder alle, die tagsüber aktiv unterwegs sein wollen, wird ein solcher Urlaub dadurch schnell anstrengend statt erholsam.
Hinzu kommt, dass sich die bekanntesten Küstenorte und historischen Altstädte in der Hochsaison oft in dichtgedrängte Menschenmengen verwandeln. Lange Warteschlangen, früh ausgebuchte Unterkünfte und überfüllte Strände trüben das Erlebnis zusätzlich. Der Wunsch nach mehr Ruhe und spürbar angenehmeren Temperaturen wächst deutlich.
Was hinter dem Begriff steckt
Eine Coolcation ist im Kern nichts anderes als der bewusste Entschluss, den Sommerurlaub in einer kühleren Klimazone zu verbringen. Statt reiner Badehitze stehen milde Tage mit angenehmen Temperaturen im Vordergrund, die Wanderungen, Städtetouren und lange Ausflüge deutlich leichter machen als eine flirrende, lähmende Gluthitze.
Dass es sich dabei nicht um eine bloße Randerscheinung handelt, zeigen die Suchzahlen im Netz sehr deutlich. Das Interesse an kühleren Reisezielen ist im Vergleich zum Vorjahr um rund vierundsiebzig Prozent gestiegen, und allein die Nachfrage nach Flügen nach Island legte nach Branchenangaben um etwa fünfundachtzig Prozent zu.
Der Norden im Aufwind
Besonders die skandinavischen Länder profitieren von dieser Entwicklung ganz erheblich. Branchenschätzungen gehen davon aus, dass die Reisen nach Skandinavien in diesem Jahr um bis zu fünfunddreißig Prozent zunehmen könnten. Auch die Buchungsdaten zeigen kräftige Zuwächse, etwa für Norwegen, Finnland und das lange übersehene Slowenien.
Typisch für die neuen Sommerziele sind Durchschnittstemperaturen von etwa fünfzehn bis zweiundzwanzig Grad, wie man sie in Skandinavien, Island oder Schottland vorfindet. Island liegt im Sommer sogar bei durchschnittlich nur rund elf Grad und wird damit für viele Reisende zum Inbegriff der angenehm kühlen Auszeit.
Landschaften statt Strandliegen

Wer in den Norden reist, tauscht die Strandliege in aller Regel gegen eindrucksvolle Naturkulissen ein. Tief eingeschnittene Fjorde, tosende Wasserfälle, weite Wälder und stille Seen prägen das Bild und laden zu ausgedehnten Wanderungen ein. Die langen, hellen Sommerabende verlängern den erlebnisreichen Tag dabei ganz angenehm.
Orte wie der berühmte Geirangerfjord oder die bunte Hafenstadt Bergen in Norwegen stehen sinnbildlich für diesen Reisestil. Statt überhitzter Innenstädte erwarten die Besucher grüne Berghänge, frische Luft und eine Weite, die selbst in der Hauptsaison nur selten beklemmend eng wirkt. Genau das macht einen großen Teil des Reizes aus.
Angenehmes Reisen ohne Gedränge
Die milderen Temperaturen haben einen ganz praktischen Vorteil, denn sie machen aktive Unternehmungen über den gesamten Tag hinweg möglich. Radtouren, Bootsausflüge oder lange Spaziergänge lassen sich hier ohne die lähmende Mittagshitze genießen, die im Süden oft zu einer erzwungenen Pause in den kühlen Innenräumen zwingt.
Auch unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit gewinnt der kühle Norden zusehends an Beliebtheit. Viele Ziele liegen für europäische Reisende vergleichsweise nah und lassen sich zum Teil sogar bequem mit der Bahn erreichen. Zudem sinkt der Bedarf an energiehungrigen Klimaanlagen, wenn die Temperaturen ohnehin angenehm bleiben.
Worauf man sich einstellen sollte
Ganz ohne Vorbereitung sollte man eine Coolcation allerdings nicht antreten. Das Wetter im Norden ist ausgesprochen wechselhaft, weshalb wasserfeste Kleidung und mehrere Schichten zum Anziehen unbedingt ins Gepäck gehören. Wer flexibel plant, ist für einen plötzlichen Regenschauer ebenso gewappnet wie für überraschend sonnige Stunden.
Die wachsende Beliebtheit hat freilich auch eine Kehrseite, denn die steigende Nachfrage lässt die Preise für Flüge und Unterkünfte spürbar anziehen. Eine frühzeitige Buchung lohnt sich daher besonders, zumal die angenehm warme Reisezeit im Norden deutlich kürzer ausfällt als an den Küsten des Mittelmeers.
Vieles deutet darauf hin, dass die Coolcation weit mehr ist als nur eine kurzlebige Modeerscheinung. Solange die Sommer im Süden immer heißer werden, dürfte der Reiz der kühleren Ziele weiter wachsen. Wer die drückende Hitze scheut und die unberührte Natur liebt, findet im Norden Europas eine überzeugende und erholsame Alternative.

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