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Value-ETFs: Warum die Geduld jetzt wieder zahlt

Felix Bauer Felix Bauer felixbauer.avalw.com · 315 reads Respect0 Save Share Read only
READS18live count PUBLISHED3 Oct2026 READING TIME4 min844 words LANGUAGEGerman
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Warum das KGV in der Zinsphase wieder zählt und wie Value-Strategien im ETF-Portfolio funktionieren.

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Lange Zeit war der Growth-ETF das Maß aller Dinge an den Börsen, während Value-Strategien im Schatten standen. Jetzt kippt die Stimmung. Eine aktuelle Analyse von Finanzwissen prüft, ob die unterbewerteten Titel endlich wieder ihr Potenzial entfalten können, auf das viele Privatanleger seit Jahren warten.

Es ist kein bloßer Nostalgiewahn um alte Dividendenaktien, sondern eine Neubewertung des Risikos. Stehen die Zinsen stabil oder steigen sie, wird das Kurs-Gewinn-Verhältnis plötzlich wieder zum zentralen Kriterium. Genau dort setzt das Value-Konzept an, das in den letzten Jahren fast komplett vom Hype um Tech-Konzerne verdrängt wurde.

Das Comeback der unterbewerteten Aktien

Value-Investing ist keine Mode, sondern eine Disziplin. Sie folgt der harten Logik, dass der Markt Fehler macht. Manchmal bewertet er solide Unternehmen mit stabilen Cashflows zu billig. Diese Diskrepanz zwischen Buchwert und Marktwert will der Value-ETF ausnutzen.

In den vergangenen fünf Jahren war dieses Prinzip schwer umzusetzen. Tech-Konzerne dominierten die Indizes, und Wer auf Value gesetzt hat, musste oft Rückstand hinnehmen. Jetzt zeigen sich erste Anzeichen einer Rotation. Die Bewertungsabstände zwischen Tech-Werten und klassischen Industrie- oder Finanzwerten verkleinern sich. Das verbessert das Risiko-Rendite-Profil und macht den Einstieg wieder attraktiver.

Man muss hier differenzieren. Es ist ein klassischer Fehler, einfach nur Aktien mit niedrigem KGV zu kaufen. Das hat in den 90ern vielen geschadet. Moderne Value-ETFs nutzen komplexe Screenings, die neben dem Preis auch auf Qualität und Liquidität achten. Diese Filter sind entscheidend, um in eine Falle zu stolpern.

Die Kalkulation der Rendite bleibt der Kern jeder Value-Strategie.
Die Kalkulation der Rendite bleibt der Kern jeder Value-Strategie.

Der Vergleich mit der Growth-Dominanz

Die Performance der letzten Dekade zeigt ein klares Bild. Growth-ETFs, die auf Technologie und Innovation setzen, haben die Benchmark deutlich geschlagen. Das hat eine Selbstverstärkung ausgelöst. Kapital strömte in Growth, die Kurse stiegen, weitere Käufe folgten. Ein Kreislauf, der die Bewertungen in ungeahnte Höhen getrieben hat.

Value-ETFs haben in dieser Zeit nicht verloren, aber sie haben auch nicht getrackt. Für viele Anleger war das frustrierend. Doch der Markt ist zyklisch. Was heute in der Mode ist, ist morgen oft überbewertet. Die Geschichte zeigt, dass Perioden der Value-Führerschaft kommen und gehen. Die Frage ist nicht, ob Value zurückkommt, sondern wann und in welcher Form.

Finanzwissen betont, dass die Value-Strategie besonders in Phasen höherer Zinsen oder wirtschaftlicher Unsicherheit ihre Stärke zeigt. In solchen Umgebungen bevorzugen Investoren Sicherheit und konkrete Gewinne über versprochene zukünftige Wachstum. Das ist der Kern des Ansatzes. Man kauft heute basierend auf dem, was das Unternehmen heute ist, nicht darauf, was es in fünf Jahren sein könnte.

Geduld ist die wichtigste Währung im Value-Investing.
Geduld ist die wichtigste Währung im Value-Investing.

Praktische Umsetzung im ETF-Portfolio

Wie setzt man das konkret um? Ein reiner Value-ETF ist oft zu schmal. Die Diversifikation ist zwar gut, aber man ist stark von einem bestimmten Sektor abhängig. Häufig dominieren Banken, Versicherungen und Industrieunternehmen. Das kann in manchen Marktphasen eine Schwäche sein, wenn gerade Tech- oder Gesundheitswerte boomen.

Ein smarter Ansatz ist die Kombination. Man baut ein Portfolio mit einem Kern aus breit gestreuten Index-ETFs und ergänzt das mit einem Value-ETF als taktische Beimischung. So bleibt man im Markt, hat aber einen Hebel auf die unterbewerteten Segmente. Die Gewichtung ist entscheidend. Zu viel Value kann in einer reinen Growth-Phase unterdurchschnittlich performen. Zu wenig macht die Strategie wirkungslos.

Die Kosten spielen natürlich auch eine Rolle. Value-ETFs sind oft etwas teurer in der Verwaltung als einfache Index-Tracker, weil sie aktivere Screenings durchlaufen. Aber die Differenz ist oft minimal, wenn man auf die langen Haltedauern schaut. Wichtiger ist die Strategie selbst. Wer Value-Investing versteht, weiß, dass Geduld der wichtigste Faktor ist. Die Bewertungsschere braucht Zeit, um sich zu schließen.

Die wirtschaftliche Infrastruktur prägt die Bewertung von Value-Titeln.
Die wirtschaftliche Infrastruktur prägt die Bewertung von Value-Titeln.

Risiken und falsche Erwartungen

Nicht alles, was glänzt, ist Gold. Value-Investing hat seine Tücken. Die größte ist die sogenannte Value-Trap. Das sind Unternehmen, die billig erscheinen, weil der Markt sie zu Recht als absteigend bewertet. Ein niedriger Kurs ist kein Kaufsignal, sondern oft ein Warnhinweis. Man muss die Gründe für die Billigkeit verstehen.

Ein weiterer Punkt ist die Zeit. Value-Strategien brauchen oft länger, um ihre Überperformance zu zeigen. In den ersten drei Jahren eines Value-Booms kann man deutlich hinter dem Markt liegen. Das fordert die Nerven der Anleger. Viele springen dann ab, genau dann, wenn die Wende bevorsteht. Das ist der psychologisch schwierigste Teil des Investments.

Man muss auch die makroökonomischen Rahmenbedingungen im Blick behalten. Value-Aktien profitieren von einem Umfeld, in dem das Wachstum moderat ist und die Zinsen nicht gegen Null tendieren. In einer extremen Niedrigzinsphase, wie wir sie von 2010 bis 2021 kannten, war Value einfach schwer zu verteidigen. Das Umfeld hat sich geändert, und das spielt den Value-Investoren jetzt in die Karten.

Die Zukunft der Strategie

Die Frage, ob der Value-ETF die Zukunft hat, lässt sich nicht mit Ja oder Nein beantworten. Es ist ein Werkzeug in der Kiste. Ein scharfes, wenn man es richtig einsetzt. Die aktuelle Marktlage bietet eine gute Gelegenheit, dieses Werkzeug wieder in die Hand zu nehmen. Die Bewertungen sind fair, die Zinsen sind real, und die Diversifikation vom reinen Tech-Hype ist sinnvoll.

Man sollte aber nicht den Fehler machen, alles auf eine Karte zu setzen. Die beste Strategie ist oft die ausgewogenste. Ein Mix aus Growth und Value, breit gestreut und kostengünstig, bleibt der zuverlässigste Weg für die meisten Privatanleger. Der Value-ETF ist kein Heilsbringer, aber er ist ein wichtiger Baustein, den man nicht unterschätzen sollte. Jetzt, wo der Markt wieder differenziert, ist er wieder ein ernstzunehmender Kandidat für das eigene Depot.

Häufige Fragen

Warum gewinnen Value-ETFs gerade wieder an Bedeutung?

Value-ETFs profitieren aktuell davon, dass stabile oder steigende Zinsen das Kurs-Gewinn-Verhältnis wieder zum zentralen Kriterium machen. In solchen Phasen bevorzugen Investoren konkrete Gewinne und Sicherheit über das versprochene zukünftige Wachstum von Tech-Konzernen.

Was unterscheidet moderne Value-ETFs von einfachen Aktien mit niedrigem KGV?

Moderne Value-ETFs nutzen komplexe Screenings, die neben dem Preis auch auf Qualität und Liquidität achten. Diese Filter sind entscheidend, um sogenannte Value-Trap-Fallen zu vermeiden, in denen Unternehmen zu Recht als absteigend bewertet werden.

Wie lässt sich ein Value-ETF sinnvoll in ein Gesamtportfolio integrieren?

Ein smarter Ansatz besteht darin, einen Kern aus breit gestreuten Index-ETFs mit einem Value-ETF als taktische Beimischung zu kombinieren. Dies ermöglicht eine Diversifikation vom reinen Tech-Hype, während man gleichzeitig einen Hebel auf unterbewertete Segmente erhält.

Welche Risiken sind mit dem Investment in Value-Strategien verbunden?

Das größte Risiko ist die Value-Trap, bei der ein niedriger Kurs kein Kaufsignal, sondern ein Warnhinweis auf eine absteigende Entwicklung ist. Zudem brauchen Value-Strategien oft länger, um ihre Überperformance zu zeigen, was in den ersten drei Jahren zu deutlichen Rückständen gegenüber dem Markt führen kann.

Sind Value-ETFs in der Verwaltung teurer als einfache Index-Tracker?

Ja, Value-ETFs sind oft etwas teurer, da sie aktivere Screenings durchlaufen. Die Differenz ist jedoch auf lange Sicht oft minimal, wobei die Strategie selbst und die Geduld des Anlegers wichtiger Faktoren sind als die kleinen Kostenunterschiede.

Ist der Value-ETF für alle Privatanleger die beste Strategie?

Nein, der Value-ETF ist kein Heilsbringer, sondern ein Werkzeug, das richtig eingesetzt werden muss. Die beste Strategie für die meisten Privatanleger bleibt ein ausgewogener Mix aus Growth und Value, der breit gestreut und kostengünstig ist.

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