Kurz das Konto überziehen, und die Karte funktioniert weiter. So bequem der Dispokredit ist, so teuer kann er werden. Was hinter den Dispozinsen steckt und wie man der Falle entkommt.
Es ist eine Situation, die viele kennen. Das Monatsende rückt näher, das Konto ist fast leer, und dann flattert noch eine unerwartete Rechnung herein oder die Waschmaschine gibt den Geist auf. Man bezahlt trotzdem, die Karte funktioniert wie gewohnt, und das Konto rutscht einfach ins Minus. Möglich macht das ein stiller Begleiter des Alltags: der Dispokredit.
Kaum ein Finanzprodukt ist so bequem und zugleich so heimtückisch wie diese Möglichkeit, das eigene Girokonto zu überziehen. Sie ist immer da, verlangt keinen Antrag im Einzelfall und stellt keine Fragen. Doch genau diese Selbstverständlichkeit lässt viele übersehen, wie hoch der Preis für diese Bequemlichkeit tatsächlich ausfällt. Ein genauer Blick lohnt sich.
Was der Dispokredit ist
Der Dispositionskredit, kurz Dispo, ist ein von der Bank eingeräumter Rahmen, bis zu dem man sein Girokonto ins Minus führen darf. Gedacht ist er als Überbrückung für kurzfristige Engpässe, etwa wenn eine größere Ausgabe und der nächste Gehaltseingang zeitlich ungünstig zusammenfallen. Man muss ihn nicht jedes Mal neu beantragen, sondern kann ihn jederzeit nutzen.
Wie hoch dieser Rahmen ausfällt, hängt vom regelmäßigen Geldeingang ab. Als Faustregel gewähren viele Banken einen Dispo in Höhe von etwa zwei bis drei Netto-Monatsgehältern. Wer also monatlich ein festes Einkommen auf dem Konto verbucht, verfügt oft über einen Spielraum, der schnell mehrere tausend Euro betragen kann, ohne dass man ihn je bewusst beantragt hätte.
Der Preis der Bequemlichkeit

Der Haken an der Sache sind die Dispozinsen. Sobald man den eingeräumten Rahmen nutzt, verlangt die Bank für den überzogenen Betrag Zinsen, die sie meist zum Monats- oder Quartalsende vom Konto abbucht. Immerhin zahlt man nur für den Betrag und die Zeit, die man tatsächlich im Minus ist, doch der Zinssatz selbst hat es in sich.
Denn im Vergleich zu anderen Krediten ist der Dispo ausgesprochen teuer. Verschiedenen Auswertungen zufolge lagen die Dispozinsen zuletzt im Schnitt bei über elf Prozent im Jahr, wobei die Spanne je nach Bank von nahezu null bis an die zwanzig Prozent reicht. Was als kleine Überziehung beginnt, kann sich so über die Monate zu einer erstaunlich hohen Summe auswachsen.
Wenn es noch teurer wird
Richtig unangenehm wird es, wenn man sogar den vereinbarten Disporahmen noch überschreitet. Für diese sogenannte geduldete Überziehung, bei der die Bank das weitere Minus stillschweigend zulässt, wird oft ein noch höherer Zinssatz fällig. In manchen Erhebungen lag dieser im Schnitt bei über dreizehn Prozent, also spürbar über dem ohnehin schon teuren regulären Dispozins.
Diese zusätzliche Stufe wird leicht übersehen, weil auch sie ohne Warnung und ohne Hürde einfach funktioniert. Das Konto lässt sich weiter belasten, als wäre nichts geschehen. Erst auf dem Kontoauszug oder in der Zinsabrechnung wird sichtbar, wie kostspielig dieses letzte Stück Spielraum in Wahrheit gewesen ist.
Die Dispofalle
Die eigentliche Gefahr liegt weniger in der einmaligen Überziehung als in der Gewöhnung. Wer dauerhaft im Minus lebt, gerät leicht in einen tückischen Kreislauf. Das Gehalt geht ein, gleicht das Minus kurz aus, doch schon nach wenigen Tagen ist das Konto wieder leer und rutscht erneut in die roten Zahlen. Der Dispo wird so vom Nothelfer zum Dauerzustand.
In dieser Lage arbeiten die hohen Zinsen unablässig gegen einen. Ein Teil des Einkommens fließt Monat für Monat allein dafür ab, das bestehende Minus zu verzinsen, statt es abzubauen. Genau hier verwandelt sich die anfangs so praktische Überziehung in eine schleichende Belastung, aus der man ohne bewussten Plan nur schwer wieder herausfindet.
Wege aus dem Minus
Für kurze, absehbare Engpässe bleibt der Dispo durchaus ein sinnvolles Werkzeug, solange man ihn zügig wieder ausgleicht. Problematisch wird er erst, wenn das Minus zum Dauerbegleiter wird. Wer merkt, dass er sein Konto über Monate nicht mehr in den positiven Bereich bringt, sollte das nicht als Normalzustand hinnehmen, sondern gezielt gegensteuern.
Ein bewährter Ausweg ist die Umschuldung auf einen klassischen Ratenkredit, der meist deutlich niedrigere Zinsen bietet und in festen Raten zurückgezahlt wird. Da sich ein Dispo jederzeit ausgleichen lässt, spricht nichts dagegen, das teure Minus so abzulösen. Auch ein Blick auf die Dispozinsen anderer Banken kann sich lohnen, denn die Unterschiede sind mitunter beträchtlich.
Am Ende ist der Dispokredit weder gut noch schlecht, sondern schlicht ein Werkzeug, dessen Preis man kennen sollte. Genutzt als kurze Brücke über einen echten Engpass, ist er praktisch und schnell. Verwechselt man ihn jedoch mit einem zweiten Einkommen, wird er teuer. Wer den Unterschied im Blick behält, hat sein Konto und seine Zinsen fest im Griff.

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