Wie die Berliner Fintech-Plattform 2025 zum Gewinnmotor wurde und was der EU-Bann für 2026 bedeutet.
232,6 Millionen Euro. Diese Zahl steht im Geschäftsjahresbericht der Trade Republic für das Geschäftsjahr, das im September 2025 endete, und markiert einen nahezu siebenfachen Sprung gegenüber den 34,8 Millionen Euro des Vorjahres. Das Unternehmen hat sich in der kurzen Zeit seit dem Markteintritt 2019 zu einer echten Geldmaschine entwickelt, die nun vor einer der größten regulatorischen Umbrüche in der Geschichte der deutschen Neobroker steht. Die Zahlen wurden am 12. Oktober 2026 in das Bundesanzeigerregister eingetragen und zeigen, wie stark der Fokus auf Kommissionen die Bilanz verändert hat.
Während viele Konkurrenten noch immer mit der Rentabilität ringen, verzeichnete die Berliner Plattform einen Umsatz von 754 Millionen Euro. Besonders bemerkenswert ist die Kundenzahl, die sich auf über 10 Millionen verdoppelt hat. Mit einem verwalteten Vermögen von rund 150 Milliarden Euro und einer Bewertung von 12,5 Milliarden Euro nach einer Sekundärtransaktion im Dezember 2025 ist Trade Republic nun das wertvollste Fintech in Deutschland. Doch die Zukunft sieht anders aus, denn der EU-weite Bann der Payment for Order Flow Regelung tritt im Juli 2026 in Kraft.
Kommissionen als Herzstück des Geschäftsmodells
Der Löwenanteil des Erfolgs kommt aus einer einzigen Einkunftsquelle: den Provisionen für den Handel mit Wertpapieren. Diese stiegen auf etwa 733 Millionen Euro und sind damit mehr als doppelt so hoch wie die 316 Millionen Euro im Vorjahr. Weitere 20,4 Millionen Euro stammen aus anderen Einnahmen, darunter Währungseffekte und die Auflösung von Rückstellungen. Der Rückgang der Rückstellungen für rechtliche Risiken von 18,1 Millionen auf 4,4 Millionen Euro zeigt zudem, dass das Unternehmen operativ stabiler geworden ist.
Seit dem Markteintritt hat Trade Republic einen Bilanzgewinn von rund 86,2 Millionen Euro erwirtschaftet. Diese Profitabilität setzt sich deutlich von der Konkurrenz ab. Die Neobank N26 meldete für 2025 zwar einen Umsatz von 501,6 Millionen Euro, stand aber erst bei einem Gewinn von 1,6 Millionen Euro. Der britische Rivale Revolut spielt in einer anderen Liga mit einem Umsatz von etwa 6 Milliarden US-Dollar und einem Gewinn vor Steuern von 2,3 Milliarden US-Dollar.

Wettbewerbsdruck und internationale Expansionsstrategie
In Österreich, wo Trade Republic seit 2025 eine eigene Bankfiliale betreibt, wird der Wettbewerb härter. Scalable Capital hat dort kürzlich eine eigene Bank eröffnet und drängt ebenfalls auf den österreichischen Markt. Die Konkurrenz ist also kein ferner Schatten mehr, sondern ein täglicher Realitätscheck. Trotz des wachsenden Marktes bleibt die Frage offen, ob die bisherigen Wachstumsraten halten können. Die Antwort hängt stark von der Anpassung an die neuen regulatorischen Vorgaben ab.
Investoren wie Founders Fund, GIC, Fidelity und die Familie Arnault haben im Dezember 2025 für 1,2 Milliarden Euro Aktien in einer Sekundärtransaktion gekauft. Diese Investition unterstreicht das Vertrauen der Großinvestoren in die Zukunft der Plattform. Dennoch bleibt das Risiko bestehen, dass die Abhängigkeit von einem einzigen Einkommensstrom die langfristige Stabilität gefährdet. Die Diversifizierung der Erlöse ist nun zur Chefsache geworden.

Der regulatorische Umbruch: Ende der Payment for Order Flow
Die bisherige Einnahmequelle, bei der Broker Rabatte von Handelsplätzen für die Weiterleitung von Orders erhalten, wird durch den EU-weiten Bann im Juli 2026 gestrichen. Dieses Modell war jahrelang eine der wichtigsten Einkommensquellen für Neobroker. Trade Republic hat bereits reagiert und kündigt eine Bestpreis-Execution über 30 Handelsplätze an. Diese Umstellung erfordert neue technologische Infrastruktur und könnte die Margen in den kommenden Quartalen unter Druck setzen.
Die Zahlen aus dem Geschäftsjahr 2024-25 stammen aus einer Zeit, in der diese Rabatte noch fließen konnten. Ob die 754 Millionen Euro Umsatz und der 232,6 Millionen Euro Gewinn als Referenzrahmen für die Zukunft dienen können, ist nun die entscheidende Frage für die Bewertung. Die Anpassung an das neue System wird zeigen, ob die operative Exzellenz des Unternehmens stark genug ist, um die wegfallenden Einnahmen durch andere Maßnahmen zu kompensieren.

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