Während Volkswagen in Hefei erst Daten sammelt, erobert Xpeng das gesamte Stadtgebiet von Guangzhou. Ein Vergleich der chinesischen Autopilot-Strategien.
Am 26. Oktober hat Guangzhou eine Genehmigung erteilt, die in der Automobilwelt für Aufsehen sorgt. Xpeng darf sein Robotaxi-Programm nicht mehr nur auf isolierte Teststrecken beschränken, sondern es auf das gesamte Stadtgebiet ausdehnen.
Dieser Schritt markiert einen historischen Wendepunkt für die urbane Mobilität in China. Die Genehmigung erlaubt es dem Hersteller, seine Fahrzeuge in einer komplexen und dichten Großstadtmatrix zu testen, die weit über die kontrollierten Bedingungen eines abgeschlossenen Geländes hinausgeht. Es handelt sich um eine echte Herausforderung, die das System unter realen Bedingungen prüfen wird.
Das ist ein fundamentaler Unterschied zu dem, was gleichzeitig in Hefei passiert. Dort hat Volkswagen gerade erst eine Straßentestlizenz für Level 3 erhalten. Während der deutsche Konzern noch fleißig Fahrdaten sammelt, rollen die Fahrzeuge von Xpeng bereits als fahrerlose Taxis durch den chinesischen Großraumverkehr.
Der Unterschied zwischen Stufe 3 und 4
Technisch gesehen trennt die beiden Ansätze eine scharfe Kante. Volkswagen arbeitet an bedingtem automatisiertem Fahren. Das System übernimmt die Fahraufgabe, aber der Mensch am Steuer muss jederzeit bereit sein, die Kontrolle zurückzuerobern. Er darf sich zwar zeitweise vom Verkehrsgeschehen abwenden, bleibt aber der letzte Verantwortliche.
Diese Anforderung an den menschlichen Fahrer bedeutet, dass die Technik noch keine vollständige Unabhängigkeit besitzt. Der Fahrer fungiert als Sicherheitsreserve, die im Notfall sofort reagieren muss. Das erfordert eine ständige Aufmerksamkeit, die den Komfort des vollautonomen Fahrens erheblich einschränkt und den Alltag im Verkehr nicht vollständig verändert.
Xpeng zielt mit Level 4 auf ein anderes Ziel. Ein entsprechend ausgelegtes Fahrzeug soll innerhalb seines genehmigten Einsatzbereichs völlig selbstständig fahren können. Es braucht keinen Sicherheitsfahrer, der ständig eingreifen muss. Diese technische Voraussetzung ist der entscheidende Hebel für ein kommerzielles Robotaxi-Geschäft ohne menschliche Aufsicht.
Der Verzicht auf den Sicherheitsfahrer ist der wirtschaftliche Kern des Robotaxi-Modells. Ohne die Kosten für menschliches Personal kann der Betrieb rund um die Uhr skalieren. Das Fahrzeug wird zum reinen Transportmittel, das seine Effizienz maximiert, indem es jede Sekunde ohne Pausen und ohne Lohnkosten im Einsatz bleibt.

Volkswagen plant erst für 2027
Die Lizenz in Hefei ist für den Wolfsburger Konzern ein Entwicklungsschritt, keine Serienfreigabe. Man weiß noch nicht, welche Modelle eingesetzt werden oder wie groß die Testflotte ist. Die Erprobung auf öffentlichen Straßen hat zwar begonnen, aber die technische Reife für den Kunden soll erst im Jahr 2027 erreicht werden.
Frühestens in der zweiten Jahreshälfte 2027 könnten Fahrzeuge mit diesen Funktionen an Kunden ausgeliefert werden. Die Entwicklung läuft vor Ort über das Gemeinschaftsunternehmen Carizon, an dem die Softwaretochter Cariad und der chinesische Anbieter Horizon Robotics beteiligt sind. Das ist ein langer Weg, den Volkswagen bewusst in der Heimat seines wichtigsten Absatzmarkts beschreitet.
Die Zusammenarbeit mit Horizon Robotics zeigt die strategische Ausrichtung von Volkswagen auf lokale Stärken. Durch die Nutzung chinesischer Sensorik und KI-Kompetenz versucht der Konzern, den Abstand zu den heimischen Pionieren zu schließen. Die Integration dieser Technologien in die eigene Fahrzeugarchitektur ist ein komplexer Prozess, der Zeit und intensive Tests erfordert.
Volkswagen verfolgt einen konservativen Kurs, der auf Stabilität und langfristige Marktfähigkeit setzt. Anstatt mit teuren Prototypen für Schlagzeilen zu sorgen, wird die Technologie schrittweise validiert. Dieser Ansatz soll sicherstellen, dass die Fahrzeuge im Jahr 2027 nicht nur technisch funktioniert, sondern auch den strengen Sicherheitsstandards des Konzerns entspricht.

Einladung statt offenem Betrieb
Trotz der großzügigen Genehmigung in Guangzhou darf nicht jeder Fahrgast sofort einsteigen. In der Anfangsphase vergibt Xpeng die Fahrten weiterhin auf Einladungsbasis. Das ist ein realistischer Ansatz, um die Systeme unter realen Bedingungen zu testen, ohne den Betrieb sofort voll zu öffnen.
Diese kontrollierte Einführung ermöglicht es dem Team, das Feedback ausgewählter Nutzer zu analysieren. Es werden spezifische Fahrprofile erstellt, um die Reaktion der KI auf unterschiedliche Verkehrssituationen zu optimieren. So kann man Fehler minimieren, bevor das System der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wird.
Level 4 bedeutet auch nicht, dass das Auto unter allen Wetter- und Verkehrsbedingungen autonom unterwegs sein kann. Es gibt klare Einsatzgrenzen. Doch die Möglichkeit, diese Grenzen in einer ganzen Metropole zu testen, setzt einen neuen Maßstab in der Branche. China zeigt damit, wie schnell sich die Definition von Mobilität verschieben kann.
Die Definition von Mobilität verschiebt sich in China rasant. Während andere Märkte noch über die Zulassung von Testfahrzeugen diskutieren, wird hier die kommerzielle Realität geschaffen. Der Wettbewerb zwingt die Hersteller, ihre Roadmaps nach vorn zu ziehen und die Technologie schneller in den Alltag zu integrieren, als es in Europa oder den USA der Fall ist.

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