DoorDash steht kurz vor der Übernahme von Instacart. Ein Blick auf die Zahlen und die Folgen für den Food-Delivery-Markt.
Die Wall Street atmet um. Laut Berichten von The Wall Street Journal und Reuters verhandelt DoorDash in fortgeschrittenen Gesprächen mit Instacart über einen Kauf. Der Deal könnte auf einen Wert von rund 17 Milliarden Dollar taxiert werden. Ein Abschluss ist laut Quellen bereits diese Woche möglich, möglicherweise schon am Mittwoch.
Es ist nicht der erste Anlauf. Instacart stand bereits in aktiven Gesprächen mit Uber. Doch nun scheint DoorDash den Kürzeren gezogen zu haben. Die Aktie von Instacart legte am Montag während des regulären Handels um knapp 8 Prozent zu, während die Papiere von DoorDash um etwa 6 Prozent fielen. Der Markt preist die Unsicherheit und die potenzielle Konsolidierung ein.
Marktführer konsolidiert
Warum zahlt DoorDash so viel? Die Zahlen sprechen eine klare Sprache. Laut Daten von Consumer Edge stieg der Marktanteil von DoorDash im Bereich der Food-Delivery-Aufträge von rund 44 Prozent im zweiten Quartal 2021 auf fast 59 Prozent im dritten Quartal 2026. Instacart verlor im selben Zeitraum an Boden, von 26 auf 18 Prozent.
Michael Gunther, Senior Vice President bei Consumer Edge, erklärt den Trend: Die Grenzen zwischen Restaurant-Lieferung, Lebensmittelhandel und allgemeinem Einzelhandel verschwimmen. DoorDash hat sich nicht mehr nur auf Pizza und Burger beschränkt, sondern ist in die Bereiche Convenience und Retail expandiert. Genau dort lag der Kern von Instacart.

Eine Frage des Geldbeutels
DoorDash ist kein unbekannter Käufer. Das Unternehmen hat in den letzten Jahren einen aggressiven Akquisitionskurs gefahren. Die Übernahme des britischen Deliveroo für rund 3,9 Milliarden Dollar und die des finnischen Wolt für 8,1 Milliarden Dollar belegen die Strategie. Auch SevenRooms kam 2025 hinzu.
Der Vergleich mit Uber zeigt die Dimension. Uber schloss dieses Jahr die Übernahme des deutschen Delivery Hero für 14,8 Milliarden Dollar ab. Postmates ging 2020 für 2,65 Milliarden Dollar in den Uber-Konzern ein. Grubhub wurde Anfang 2025 von Wonder für 150 Millionen Dollar Bargeld und die Übernahme von 500 Millionen Dollar Schulden übernommen. Der Markt wird härter, die Konsolidierung ist unaufhaltsam.
Instacart schloss am Freitag bei einem Marktwert von etwa 13 Milliarden Dollar. Die 17 Milliarden Dollar, die DoorDash zahlen soll, repräsentieren also einen klaren Premium-Aufschlag. Es geht nicht nur um die Technologie, sondern um die Beziehungen zu den Supermärkten und die Logistik-Infrastruktur, die Instacart aufgebaut hat.

Was bedeutet das für uns?
Für den Endverbraucher bedeutet die Fusion vor allem eines: weniger Auswahl bei den Apps, aber vielleicht bessere Preise und schnellere Lieferungen. Die Synergien liegen in der gemeinsamen Logistik. DoorDash hat ein riesiges Netz an Kurieren, Instacart hat die direkten Verträge mit den Lebensmittelketten. Zusammen entsteht ein Monopol-ähnliches Gebilde im Bereich der Lieferdienste.
Die Wettbewerbsbehörden in den USA und Europa dürften den Deal genau unter die Lupe nehmen. Solche Konzentrationen im Einzelhandel und im Lieferdienst sind selten unproblematisch durchgewunken worden. Aber die Zahlen von DoorDash zeigen, dass der Markt bereits stark konzentriert ist. Ein weiterer Zusammenschluss würde diese Position nur noch stärken.
Die Aktie von DoorDash reagierte am Montag mit einem Abschlag von 6 Prozent. Der Markt fürchtet, dass der Deal zu teuer wird und die Aktionäre kurzfristig unter der hohen Kaufprämie leiden. Langfristig aber sieht das Unternehmen die Chance, den Markt für sich zu beanspruchen und die Margen durch Effizienzsteigerungen zu verbessern.

Der nächste Schritt
Bis zu einer offiziellen Ankündigung ist es wahrscheinlich nur noch eine Frage von Tagen. Die Quellen sprechen von einem möglichen Abschluss am Mittwoch. Das wäre ein historischer Moment für den Food-Delivery-Markt. Zwei der größten Player der Branche verschmelzen zu einem Giganten, der von der Pizza bis zum Supermarkt alles liefert.
Die Frage bleibt, ob die Verbraucher diese Konzentration akzeptieren werden. Die Preise für Lieferungen sind in den letzten Jahren gestiegen. Ob die Fusion zu einer Entlastung führt oder ob die Marktmacht genutzt wird, um höhere Gebühren durchzusetzen, wird sich in den nächsten Monaten zeigen. Eines ist sicher: Die Ära der kleinen, spezialisierten Lieferdienste ist zu Ende.
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