Millionen Deutsche legen inzwischen Monat für Monat kleine Beträge an der Börse an. Wie der ETF-Sparplan funktioniert, warum er boomt und wo die Grenzen liegen.
Über Generationen hinweg galt in Deutschland eine denkbar einfache Regel: Wer sein Geld zusammenhalten wollte, trug es zur Bank und legte es aufs Sparbuch. Die Aktie und die Börse dagegen hatten lange den Ruf, etwas für Zocker und wohlhabende Leute zu sein. Doch dieses tief verwurzelte Bild ist gerade dabei, sich grundlegend zu wandeln.
Immer mehr Menschen, gerade auch die jüngeren, entdecken eine Form der Geldanlage, die früher eher vermögenden Anlegern vorbehalten schien. Im Zentrum steht dabei ein Werkzeug mit einem etwas sperrigen Namen, das die Art, wie das ganze Land spart, leise, aber nachhaltig umkrempelt: der ETF-Sparplan.
Eine stille Revolution
Um die Wucht dieser Entwicklung wirklich zu verstehen, hilft ein nüchterner Blick auf die nackten Zahlen. Was vor gut zehn Jahren noch mit einigen hunderttausend Verträgen begann, ist inzwischen zu einer wahren Bewegung angeschwollen. Die Zahl solcher Sparpläne wird mittlerweile ganz selbstverständlich in Millionen gemessen.
Dieser tiefgreifende Wandel vollzog sich erstaunlich rasch und weitgehend im Stillen. Ganz ohne großes Aufsehen und ohne laute Werbekampagnen haben sich diese kleinen, regelmäßigen Sparbeiträge zu einer der prägenden Kräfte am deutschen Aktienmarkt entwickelt. Es ist gewissermaßen eine Revolution der ganz leisen Töne.
Wie ein Sparplan funktioniert

Das Grundprinzip dahinter ist bestechend einfach. Statt einmalig eine große Summe anzulegen, überweist man einfach jeden Monat einen festen, oft sogar recht kleinen Betrag. Diese Rate wird dann automatisch in einen sogenannten ETF investiert, einen Fonds, der einen ganzen Korb aus vielen verschiedenen Aktien auf einen Schlag abbildet.
Der Einstieg ist dabei denkbar niedrigschwellig gehalten. Vielerorts kann man bereits mit kleinen Beträgen von nur wenigen Euro im Monat beginnen, und dank moderner Anbieter läuft der Kauf danach vollautomatisch im Hintergrund ab. Wer den Sparplan einmal eingerichtet hat, muss sich anschließend um kaum noch etwas selbst kümmern.
Ein wesentlicher Reiz liegt dabei in der Regelmäßigkeit selbst. Weil stets zum gleichen Zeitpunkt gekauft wird, mal bei hohen und mal bei niedrigen Kursen, glättet sich der Einstiegspreis über die Zeit ganz von allein. Diesen Effekt schätzen vor allem Einsteiger, die den vermeintlich perfekten Moment ohnehin kaum jemals treffen können.
Millionen neue Anleger
Wie groß diese Bewegung tatsächlich schon geworden ist, zeigen aktuelle Erhebungen mit einigem Nachdruck. Rund vierzehn Millionen Menschen in Deutschland besitzen inzwischen Aktien, Fonds oder ETFs, ein Zuwachs von etwa zwei Millionen allein gegenüber dem Vorjahr. Die vielbeschworene Aktienkultur wächst also spürbar heran.
Ein ganz beträchtlicher Teil davon, gut fünf Millionen Menschen, tut dies gezielt über einen Sparplan. Auch hier ging es zuletzt kräftig nach oben, um rund anderthalb Millionen binnen eines einzigen Jahres. Das Geld, das auf diese Weise Monat für Monat an die Börse fließt, summiert sich mittlerweile auf zweistellige Milliardenbeträge.
Warum gerade jetzt
Doch woran liegt dieser recht plötzliche Sinneswandel eines ganzen Landes eigentlich? Ein wichtiger Grund sind gewiss die langen Jahre extrem niedriger Zinsen, in denen das gute alte Sparbuch schlicht keine nennenswerten Erträge mehr abwarf. Wer sein Erspartes noch wachsen sehen wollte, musste sich zwangsläufig nach Alternativen umsehen.
Hinzu kommt die wachsende Sorge um die spätere Rente. Viele, gerade jüngere Menschen, zweifeln inzwischen daran, dass die gesetzliche Vorsorge allein für einen sorgenfreien Ruhestand genügen wird. Der Sparplan erscheint da als ein bequemer Weg, um selbst und vor allem langfristig vorzusorgen, ganz ohne großes Vorwissen.
Und schließlich haben neue, rein digitale Anbieter die Hürden zuletzt drastisch gesenkt. Was früher noch mit lästigen Bankterminen und hohen Gebühren verbunden war, geht heute in wenigen Minuten bequem per Smartphone, und das oft zu geradezu minimalen Kosten. Diese neue Bequemlichkeit hat der Bewegung noch einmal spürbaren Schub verliehen.
Kein Selbstläufer
Bei aller berechtigten Begeisterung ist jedoch auch ein wenig Vorsicht durchaus angebracht. Eine Anlage an der Börse ist eben niemals ein garantierter Selbstläufer. Kurse schwanken bekanntlich, und der Wert des mühsam angesparten Vermögens kann zwischenzeitlich auch einmal deutlich fallen. Wer dann schwache Nerven zeigt und vorschnell verkauft, verspielt leicht den eigentlichen Vorteil.
Der wahre Schlüssel zum Erfolg liegt daher im langen Atem. Wer über viele Jahre hinweg ruhig und beharrlich weiterspart und kurzfristige Rückschläge einfach in Gelassenheit aussitzt, dem winken auf lange Sicht durchaus gute Chancen. Aus dem einstigen Land der Sparbücher wird so langsam, aber sicher eine Nation geduldiger Anleger.

Keep subscribing to Jonas WagnerHer next filing reaches you the moment it publishes, on her own subdomain.
Subscribe
