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Nur Bares ist Wahres? Wie die Deutschen langsam ihre Liebe zum Bargeld überdenken

Markus Vogt Markus Vogt markusvogt.avalw.com · 97 reads Respect0 Save Share Read only
READS27live count PUBLISHED21 Sept2026 READING TIME3 min614 words LANGUAGEGerman
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Kaum ein Volk hängt so sehr am Geldschein wie die Deutschen. Doch neue Zahlen zeigen, dass sich das über Jahrzehnte gewachsene Bezahlverhalten spürbar zu verändern beginnt.

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Wer in Deutschland an der Bäckerei oder am Marktstand ansteht, greift wie selbstverständlich zum Portemonnaie und zählt in aller Ruhe Münzen und Scheine ab. Nur Bares ist Wahres, lautet ein altes Sprichwort, das die besondere Beziehung der Deutschen zu ihrem Bargeld treffend auf den Punkt bringt.

Während in manchen Nachbarländern das Bezahlen mit Karte oder Smartphone längst zur alltäglichen Norm geworden ist, hielten die Menschen hierzulande lange Zeit eisern am vertrauten Geldschein fest. Doch neuere Zahlen zeigen inzwischen sehr deutlich, dass sich dieses gewohnte Bild allmählich zu wandeln beginnt.

Ein Land, das am Bargeld hängt

Über viele Jahrzehnte hinweg war die Sache in Deutschland ganz eindeutig. Wer etwas kaufte, bezahlte in aller Regel mit Bargeld, und Kartenzahlungen galten vielerorts als umständlich oder gar als leicht suspekt. Diese ausgeprägte Vorliebe hat tiefe kulturelle Wurzeln und ist eng mit dem Wunsch nach Kontrolle verbunden.

Noch im Jahr 2008 wurden mehr als vier von fünf Bezahlvorgängen im Land mit Scheinen und Münzen abgewickelt. Das Bargeld war damals schlicht das Maß aller Dinge. Diese Dominanz prägte den Alltag so stark, dass sich viele ein Einkaufen ganz ohne das vertraute Klimpern in der Tasche kaum vorstellen konnten.

Die Zahlen erzählen vom Wandel

Noch immer wird in Deutschland an der Ladenkasse häufiger mit Scheinen und Münzen gezahlt als mit jeder anderen Methode. Doch der Vorsprung des Bargelds schmilzt Jahr für Jahr.
Noch immer wird in Deutschland an der Ladenkasse häufiger mit Scheinen und Münzen gezahlt als mit jeder anderen Methode. Doch der Vorsprung des Bargelds schmilzt Jahr für Jahr.

Doch die aktuellen Erhebungen der Bundesbank zeichnen mittlerweile ein deutlich anderes Bild. Im Jahr 2023 wurde nur noch etwa jeder zweite Einkauf, genauer gesagt 51 Prozent, tatsächlich in bar bezahlt. Zwei Jahre zuvor waren es immerhin noch 58 Prozent gewesen. Der Rückgang vollzieht sich also spürbar und in kurzer Zeit.

Damit bleibt das Bargeld zwar weiterhin das am häufigsten genutzte Zahlungsmittel, doch sein einstmals gewaltiger Vorsprung schrumpft zusehends. Parallel dazu legte vor allem die Girocard kräftig zu, und das Bezahlen per Smartphone verdreifachte in kurzer Zeit seinen Anteil, wenn auch von einem noch niedrigen Ausgangsniveau aus.

Warum viele dem Schein treu bleiben

Dass sich viele Menschen dennoch nur äußerst ungern vom Bargeld trennen, hat durchaus handfeste Gründe. An erster Stelle steht für die meisten von ihnen der Schutz der eigenen Daten. Wer bar bezahlt, hinterlässt keine digitale Spur, und niemand kann im Nachhinein verfolgen, wofür genau das Geld ausgegeben wurde.

Hinzu kommt bei vielen das gute Gefühl, mit Scheinen und Münzen den besseren Überblick über die eigenen Ausgaben zu behalten. Was man physisch aus der Hand gibt, spürt man deutlich unmittelbarer, als wenn lediglich eine Zahl auf dem Konto kleiner wird. Für manche ist Bargeld deshalb sogar ein bewährtes Mittel zum Sparen.

Der Siegeszug des schnellen Bezahlens

Auf der anderen Seite hat die schiere Bequemlichkeit des digitalen Bezahlens einen mächtigen Sog entwickelt. Vor allem das kontaktlose Zahlen, bei dem man die Karte oder das Handy nur kurz an das Lesegerät hält, erwies sich als angenehm schnell und unkompliziert und fand daher rasch sehr viele überzeugte Anhänger.

Auch die Pandemie hat diese Entwicklung noch einmal deutlich beschleunigt, da viele Menschen aus hygienischen Gründen den berührungslosen Bezahlvorgang klar bevorzugten. Was zunächst nur als vorübergehende Maßnahme begonnen hatte, ist für einen großen Teil von ihnen längst zur festen und selbstverständlichen Gewohnheit geworden.

Was die Zukunft bringen könnte

Bedeutet dieser klare Trend nun schon das baldige Ende des Bargelds? Die Fachleute sind da eher zurückhaltend und rechnen keineswegs mit einem schnellen Verschwinden von Scheinen und Münzen. Vielmehr dürfte sich auf absehbare Zeit ein friedliches Nebeneinander der verschiedenen Zahlungsformen einpendeln.

Viele plädieren zudem ausdrücklich dafür, das Bargeld als Möglichkeit unbedingt zu erhalten. Es funktioniert selbst bei einem Stromausfall, es schützt die Privatsphäre und es sichert jenen Menschen die Teilhabe, die kein Konto oder kein Smartphone besitzen. Die freie Wahl lautet hier für sie das entscheidende Stichwort.

Am Ende zeigt sich also ein Land mitten im Übergang, das seine alte Gewohnheit langsam lockert, ohne sie jedoch ganz aufzugeben. Ob nun an der Kasse gezückt oder rasch aufs Handy getippt, die Art, wie wir bezahlen, verrät viel über unsere Zeit und über den Wert, den wir Sicherheit, Bequemlichkeit und Freiheit beimessen.

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Markus Vogt 2026-09-21 · 3 min read · 27 reads
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