Der deutsche Smart-Home-Markt hat die Nische längst verlassen. Laut dem IFH Köln nutzt bereits jeder zweite Haushalt vernetzte Technik, der Gesamtmarkt liegt bei 4,3 Milliarden Euro. Und der Schwerpunkt verschiebt sich zunehmend von der Unterhaltung hin zum Energiemanagement.
Das vernetzte Zuhause ist längst keine Spielerei für Technikbegeisterte mehr, sondern ein fester Bestandteil des Alltags in Millionen deutscher Wohnungen. Was einst nach Zukunftsmusik klang, findet sich heute in ganz gewöhnlichen Haushalten quer durch alle Altersgruppen.
Die Zahlen des Branchenberichts vom IFH Köln zeichnen das Bild eines Marktes, der seine Nische endgültig verlassen hat. Zwischen smarten Lampen, sprechenden Lautsprechern und vernetzten Thermostaten ist das intelligente Wohnen in der Mitte der Gesellschaft angekommen.
Jeder zweite Haushalt ist vernetzt
Der wichtigste Befund lässt kaum Zweifel offen. Laut dem IFH Köln nutzt inzwischen jeder zweite deutsche Haushalt Smart-Home-Technik in irgendeiner Form, ein Wert, der die Technologie endgültig aus der Ecke des exklusiven Nischenprodukts herausholt.
Auch wirtschaftlich hat der Bereich enorm zugelegt. Der Gesamtmarkt für Smart Home erreichte im Jahr 2024 einen Umsatz von rund 4,3 Milliarden Euro, ein deutlicher Sprung gegenüber den etwa 3,2 Milliarden Euro, die noch im Jahr 2019 zu Buche standen.
Was die Deutschen kaufen
Auch beim Kaufverhalten liefert die Untersuchung klare Signale. Innerhalb eines Zwölfmonatszeitraums hat rund ein Drittel der Verbraucher mindestens ein smartes Produkt für das eigene Zuhause angeschafft, Tendenz weiter steigend.
An der Spitze der Neukäufe stehen die smarte Beleuchtung mit 14,1 Prozent, gefolgt von smarten Haushaltsgeräten mit 9,7 Prozent und Saugrobotern mit 9,1 Prozent. Bei der tatsächlichen Nutzung führt die Beleuchtung mit 25 Prozent vor den Haushaltsgeräten mit 17 Prozent.
Die fünf Basismärkte

Für seine Analyse teilt das IFH Köln den Markt in fünf große Basissegmente auf. Das mit Abstand größte ist das Smart Entertainment mit einem Anteil von 40 Prozent, gefolgt von smarten großen Elektrogeräten, die auf ein Viertel des Marktes kommen.
Dahinter folgen das Smart Gardening für den vernetzten Garten mit 13 Prozent, kleine Elektrogeräte mit 12 Prozent und schließlich die smarte Beleuchtung mit rund 10 Prozent. Vom Wohnzimmer über die Küche bis in den Garten ist die Technik heute überall präsent.
Vom Gadget zum Energiemanager
Interessant ist vor allem, wie sich der Schwerpunkt verschiebt. Beobachter des Marktes stellen fest, dass das Wachstum zunehmend in nüchternen Nutzenkategorien liegt, etwa bei Thermostaten, der intelligenten Heizungssteuerung und der Sicherheitstechnik fürs Haus.
Während früher Unterhaltung und stimmungsvolle Beleuchtung den Ton angaben, rückt heute das Energiemanagement in den Vordergrund. Angesichts hoher Energiepreise wollen viele Haushalte vor allem Strom und Wärme genauer steuern und damit bares Geld sparen.
Komfort, Sicherheit und Sparen
Die Beweggründe für den Einstieg sind dabei so vielfältig wie die Geräte selbst. Für die einen zählt der Komfort, wenn sich Licht, Rollläden und Heizung bequem per App regeln lassen, für die anderen steht die Sicherheit des eigenen Zuhauses im Vordergrund.
Zugleich bleiben Herausforderungen bestehen. Fragen des Datenschutzes und die oft mühsame Verständigung zwischen Geräten unterschiedlicher Hersteller bremsen manchen Ausbau, auch wenn gemeinsame Standards die Lage nach und nach verbessern sollen.
Die 50-Prozent-Schwelle und danach
Mit einer Verbreitung rund um die Marke von 50 Prozent steht der deutsche Smart-Home-Markt an einem Wendepunkt. Der Sprung über diese Schwelle gilt in der Branche als wahrscheinlich und würde das vernetzte Wohnen endgültig zum Normalfall machen.
Klar ist damit vor allem eines: Das intelligente Zuhause ist kein kurzlebiger Trend, sondern ein tiefgreifender Wandel. Wie die Menschen wohnen, heizen und ihre vier Wände absichern, wird in Deutschland immer selbstverständlicher digital gesteuert.
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