Amazon verhandelt über die Übernahme des KI-Startups Decart für rund 7 Milliarden Dollar. Die Software soll das Training von KI-Modellen deutlich günstiger machen, indem sie die Auslastung der Chips optimiert.
Sieben Milliarden Dollar. Laut Wall Street Journal ist das die Summe, die Amazon für Decart auf den Tisch legt. Die Verhandlungen laufen bereits, eine finale Zusage steht noch aus, aber die Richtung ist klar. Es geht nicht um kleine Optimierungen, sondern um eine Umstrukturierung der Machtverhältnisse in der KI-Infrastruktur, bei der der Käufer strategische Kontrolle gewinnt.
Decart ist kein unbekanntes Gesicht in der Szene. Gegründet wurde das Startup 2023 von drei israelischen Ingenieuren. Ihr Ansatz ist pragmatisch: Die Kosten für das Training von KI-Modellen senken, indem die vorhandenen Chips besser ausgelastet werden. Genau diese Fähigkeit braucht Amazon. Es ist der Hebel, der seine eigenen Modelle wettbewerbsfähig hält, ohne dass man ständig neue Hardware kaufen muss.
Warum Amazon jetzt zuschlagen muss
Das Training großer Modelle frisst Geld. Der Haupttreiber sind die Rechenkosten für das Lernen der Netzwerke. Decart löst genau dieses Problem. Durch eine optimierte Nutzung der Hardware sinken Stromverbrauch und Trainingszeit. Für einen Anbieter wie Amazon, der täglich Millionen von Anfragen über AWS abwickelt, ist das kein theoretischer Vorteil, sondern bares Geld, das in der Bilanz hängen bleibt.
Dass Amazon hier jetzt zuschlägt, ist kein Zufall. Die Konkurrenz schläft nicht. Nvidia liefert zwar die Hardware, aber die Software, die diese Leistung wirklich ausreizt, ist der Engpass. Wer diese Schicht kontrolliert, trainiert schneller und billiger als alle anderen. Das ist der eigentliche Wettbewerbsvorteil, um den es hier geht.

Die Weltmodelle Lucy und Oasis
Neben der reinen Effizienzsoftware bringt Decart zwei weitere Bausteine mit. Die Modelle Lucy und Oasis. Lucy bearbeitet Live-Video in Echtzeit. Das klingt nach Nische, ist aber für autonome Systeme und immersive Anwendungen zentral. Oasis generiert und simuliert reale 3D-Umgebungen. Diese Welten dienen dazu, Robotik und autonome Fahrensysteme zu trainieren, bevor sie auf die Straße oder in die Fabrik gehen.
Für Amazon ist das ein doppelter Gewinn. Man bekommt die Effizienzsoftware und gleichzeitig Zugang zu Technologien, die für die Zukunft der Robotik entscheidend sein könnten. AWS kann damit mehr anbieten als reine Rechenleistung. Es wird zur kompletten Pipeline für die Entwicklung autonomer Systeme, von der Simulation bis zum Einsatz.

Anthropic zog die Hand zurück
Die Geschichte dahinter ist spannend. Laut Bloomberg hatte Anthropic im vergangenen Monat eine Übernahme für sechs Milliarden Dollar erwogen. Nach einer Buchprüfung zog das Unternehmen die Hand zurück. Die Gründe dafür sind nicht öffentlich bekannt, aber der Preis von sieben Milliarden, den Amazon nun bietet, zeigt, wie begehrt diese Technologie im Markt ist.
Im Mai hatte Decart eine Finanzierungsrunde über 300 Millionen Dollar abgeschlossen. Nvidia war unter den Investoren. Die Bewertung lag damals bei knapp vier Milliarden Dollar. Der Sprung auf sieben Milliarden innerhalb weniger Monate ist ein deutliches Signal. Der KI-Markt bewegt sich schnell, und die Bewertungen steigen entsprechend.

Strategische Bedeutung für den KI-Markt
Die Übernahme wäre mehr als ein finanzieller Coup. Sie würde Amazon in eine Position bringen, in der es die Infrastruktur für KI-Modelle end-to-end kontrolliert. Von der Hardware über die Software bis zu den Anwendungen. Das ist eine strategische Position, die nur wenige Wettbewerber einnehmen können. Es geht um Kontrolle über den gesamten Lebenszyklus der KI-Entwicklung.
Für die Startup-Szene ist der Deal ein Weckruf. Große Tech-Konzerne sind bereit, hohe Summen zu zahlen, um sich technologische Vorteile zu sichern. Gleichzeitig wird es für kleinere KI-Firmen schwieriger, sich unabhängig zu behaupten, wenn die Riesen des Markts ihre Hand auflegen. Die Konsolidierung im KI-Sektor beschleunigt sich damit weiter.
Was nun kommt
Die nächsten Wochen werden zeigen, ob Amazon den Deal wirklich abschließt. Beide Unternehmen haben sich zu den Berichten nicht geäußert. Amazon verweist auf seine regulären Geschäftszeiten, Decart hat auf Anfragen nicht reagiert. Die Verhandlungen sind also noch nicht final, aber laut WSJ ist eine Einigung nah. Die Zeit drückt.
Sollte der Deal zustande kommen, wird Amazon seine KI-Infrastruktur massiv ausbauen. Die Technologie von Decart wird in AWS integriert und für Kunden verfügbar gemacht. Das könnte die Art und Weise, wie Unternehmen ihre KI-Modelle trainieren, grundlegend verändern. Die Effizienzsteigerung, die Decart verspricht, wird für viele Firmen zum entscheidenden Faktor bei der Wahl ihrer Cloud-Anbieter.
