Vom 19. September bis 4. Oktober 2026 verwandelt sich die Theresienwiese wieder in die größte Bühne Bayerns. Hinter Bierzelten und Blaskapellen steckt ein Milliardengeschäft, das München und weit darüber hinaus die Kassen füllt.
Wenn der Oberbürgermeister das erste Fass ansticht und der Ruf ozapft is über die Theresienwiese hallt, beginnt für viele einfach die schönste Zeit des Jahres. Doch hinter Blaskapellen, Lebkuchenherzen und schäumenden Maßkrügen verbirgt sich weit mehr als Feierlaune, nämlich ein gewaltiger Wirtschaftsmotor.
Ein Fest der Superlative
Vom 19. September bis zum 4. Oktober 2026 zieht das Oktoberfest wieder Millionen Menschen aus aller Welt nach München. In seinen zahlreichen großen und kleinen Zelten finden Hunderttausende Platz, und in Spitzenjahren strömen rund sieben Millionen Besucher über das weitläufige Festgelände mitten in der bayerischen Landeshauptstadt.
Diese schiere Größe macht die Wiesn zum größten Volksfest der Welt und zu einem Ereignis von enormer Anziehungskraft. Was einst als bescheidene Hochzeitsfeier begann, ist über die Jahrzehnte zu einer Marke gewachsen, die den Namen München in praktisch jedem Winkel der Erde bekannt gemacht hat.
1,25 Milliarden Euro

Der wirtschaftliche Fußabdruck des Festes ist beeindruckend. Nach vorliegenden Schätzungen erzeugt das Oktoberfest jedes Jahr eine Wertschöpfung von rund 1,25 Milliarden Euro, wenn man alle Ausgaben rund um Festgelände, Hotels, Gastronomie und Verkehr zusammenrechnet. Es ist damit ein echter Konjunkturfaktor für die Region.
Ein großer Teil dieses Geldes fließt direkt auf dem Festgelände. Einer städtischen Erhebung zufolge gaben die Gäste allein auf der Wiesn selbst etwa 442 Millionen Euro aus, im Schnitt also rund 70 Euro pro Person für Bier, Essen und Fahrgeschäfte, bevor sie das Gelände überhaupt wieder verlassen hatten.
Weit über das Festgelände hinaus
Der eigentliche Effekt entfaltet sich jedoch erst in der ganzen Stadt. Auswärtige Besucher gaben nach denselben Berechnungen rund 505 Millionen Euro für Übernachtungen aus, und die Auslastung der Münchner Hotels klettert in der Wiesn-Zeit regelmäßig auf neunzig Prozent oder mehr.
Auch Taxifahrer, Einzelhändler, Trachtengeschäfte und Restaurants außerhalb des Geländes profitieren spürbar von dem Ansturm. Für viele Betriebe in München sind die gut zwei Wochen im Herbst eine der wichtigsten und umsatzstärksten Phasen des gesamten Geschäftsjahres.
Der Preis der Maß
Im Zentrum des Geschehens steht natürlich das Bier, und dessen Preis sorgt jedes Jahr für Schlagzeilen. Auf dem Oktoberfest 2026 kostet die Maß zwischen 14,80 und 15,90 Euro, was gegenüber dem Vorjahr einem durchschnittlichen Anstieg von etwa 2,38 Prozent entspricht und den langfristigen Trend nach oben fortsetzt.
Getrunken wird trotzdem in gewaltigen Mengen. Im Schnitt fließen während der Festtage zwischen sechs und sieben Millionen Liter Bier durch die Zapfhähne der Zelte. Für die Wirte und die beteiligten Münchner Brauereien ist der Ausschank damit eine der zentralen Einnahmequellen des gesamten Festes.
Ein globaler Anziehungspunkt
Ein erheblicher Teil der Wertschöpfung stammt von internationalen Gästen, die eigens für die Wiesn anreisen. Sie buchen Flüge, Hotels und Pauschalreisen und verbinden den Besuch oft mit einer längeren Reise durch Bayern, was den wirtschaftlichen Nutzen weit über die eigentlichen Festtage hinaus verlängert.
Für den Tourismusstandort München wirkt das Fest deshalb wie ein alljährlicher Werbespot von unschätzbarem Wert. Kaum eine andere Veranstaltung schafft es, die Stadt so zuverlässig ins Rampenlicht der weltweiten Aufmerksamkeit zu rücken und Besucher später auch außerhalb der Saison zurückzuholen.
Zwischen Tradition und Kommerz
Bei all den Rekordzahlen wächst allerdings auch die Kritik. Steigende Preise, volle Zelte und ein zunehmend kommerzieller Charakter lassen manche fragen, ob das Fest seine ursprüngliche Seele bewahrt oder sich zu sehr in ein reines Geschäftsmodell verwandelt hat, das vor allem auf Rendite ausgerichtet ist.
Für die Wirtschaft der Region bleibt die Wiesn dennoch ein Segen, der schwer zu ersetzen wäre. Solange Millionen Menschen Jahr für Jahr ihre Maß heben, bleibt das Oktoberfest nicht nur ein Symbol bayerischer Lebensfreude, sondern auch eines der verlässlichsten wirtschaftlichen Kraftwerke Deutschlands.