Ab 2026 führt die Bundesregierung einen subventionierten Industriestrompreis ein, um energieintensive Branchen zu entlasten. Angepeilt werden rund fünf Cent pro Kilowattstunde. Ein Überblick über Ziele, Profiteure, Finanzierung und die offenen Fragen des milliardenschweren Vorhabens.
Hohe Energiekosten gehören seit Jahren zu den größten Sorgen der deutschen Industrie. Gerade energieintensive Betriebe klagen darüber, dass Strom hierzulande deutlich teurer ist als in vielen konkurrierenden Ländern. Mit einem neuen, staatlich subventionierten Industriestrompreis will die Bundesregierung nun gegensteuern und einem wichtigen Teil der heimischen Wirtschaft spürbar unter die Arme greifen.
Was der Industriestrompreis bedeutet
Beim Industriestrompreis handelt es sich um einen staatlich verbilligten Strompreis, der ausgewählten Unternehmen einen Teil ihrer Stromkosten abnimmt. Der Staat übernimmt dabei einen Anteil der Kosten, sodass die begünstigten Betriebe deutlich weniger für ihre Kilowattstunde zahlen müssen als zum regulären Marktpreis. Das Ziel ist, die Produktion am Standort Deutschland bezahlbar zu halten.
Das Ziel: fünf Cent pro Kilowattstunde
Konkret strebt die Bundesregierung einen Preis von rund fünf Cent pro Kilowattstunde an. Das wäre ungefähr die Hälfte dessen, was energieintensive Betriebe zuletzt im Schnitt gezahlt haben. Für Unternehmen, deren Wettbewerbsfähigkeit stark von den Energiekosten abhängt, könnte eine solche Halbierung des Strompreises einen erheblichen Unterschied in der Kalkulation bedeuten.
Die aktuelle Belastung der Industrie

Wie hoch der Handlungsdruck ist, zeigt ein Blick auf die jüngsten Zahlen. Der durchschnittliche Strompreis für kleine und mittlere Industriebetriebe lag im Jahr 2025 einschließlich Stromsteuer bei rund achtzehn Cent pro Kilowattstunde. Das war noch einmal gut ein Cent mehr als im Vorjahr, und die Entwicklung der vergangenen Jahre wurde von vielen Firmen als schwer planbar empfunden.
Wer profitieren soll
Der vergünstigte Preis kommt nicht allen Unternehmen zugute, sondern gezielt besonders energieintensiven Branchen. Nach den bisherigen Plänen sollen rund einundneunzig Wirtschaftsbereiche profitieren, darunter die Stahl-, Chemie-, Glas- und Keramikindustrie sowie der Maschinenbau. Als Voraussetzung gilt ein jährlicher Stromverbrauch von mindestens hunderttausend Kilowattstunden.
Der Beschluss der Koalition
Auf den Weg gebracht wurde das Vorhaben von den Spitzen der Koalition aus CDU, CSU und SPD. Bundeskanzler Friedrich Merz stellte die Maßnahme unter anderem bei einem Stahlgipfel im November 2025 in Aussicht. Damit reagierte die Politik auf wachsende Warnungen aus der Industrie, wonach hohe Energiekosten Produktion und Arbeitsplätze zunehmend gefährden.
Grünes Licht aus Brüssel
Ein wichtiger Schritt war die Zustimmung der Europäischen Kommission, da staatliche Beihilfen in der EU strengen Regeln unterliegen. Brüssel gab dem deutschen Modell im Grundsatz seine Zustimmung, sodass der Weg für die Umsetzung frei wurde. Ohne diese beihilferechtliche Genehmigung hätte das gesamte Vorhaben rechtlich gar nicht in Kraft treten können.
Woher das Geld kommt
Finanziert werden soll der Industriestrompreis über den sogenannten Klima- und Transformationsfonds, ein Sondervermögen für Energie- und Klimaprojekte. Nach Schätzungen dürfte das Programm über den vorgesehenen Zeitraum von 2026 bis 2028 insgesamt mehrere Milliarden Euro kosten. Genannt werden Größenordnungen von etwa drei bis fünf Milliarden Euro für die drei Jahre.
Die Auflage: Investitionen ins Klima
Die Förderung ist allerdings an Bedingungen geknüpft. So sollen die begünstigten Unternehmen einen erheblichen Teil des eingesparten Geldes in klimafreundliche Projekte stecken, etwa in erneuerbare Energien, Speicher oder mehr Effizienz. Wer über eine bestimmte Schwelle hinaus investiert, kann zusätzlich mit einem Bonus rechnen. So soll die Entlastung mit dem Umbau der Wirtschaft verknüpft werden.
Warum die Strompreise so wichtig sind
Für viele Industriebetriebe sind die Energiekosten längst zu einem entscheidenden Standortfaktor geworden. Wo Strom dauerhaft teuer ist, geraten energieintensive Produktionen schnell ins Hintertreffen, weil ihre Waren auf dem Weltmarkt teurer werden. Gerade in einem Land wie Deutschland, das stark vom Export lebt, kann dieser Kostenfaktor über Investitionen und Arbeitsplätze mitentscheiden.
Chancen für den Standort Deutschland
Befürworter sehen in dem Industriestrompreis daher ein wichtiges Signal an die Wirtschaft. Wenn die Kosten für Strom kalkulierbarer und niedriger werden, könnten Unternehmen eher bereit sein, in Deutschland zu bleiben und neue Anlagen zu bauen. Das könnte helfen, industrielle Wertschöpfung und gut bezahlte Arbeitsplätze im Land zu halten, statt sie ins Ausland abwandern zu lassen.
Kritik und offene Fragen
Doch es gibt auch Kritik an dem Vorhaben. Manche Fachleute warnen davor, dass Subventionen den Wettbewerb verzerren und nur einen ausgewählten Kreis von Betrieben erreichen, während kleinere Unternehmen und Verbraucher leer ausgehen. Zudem stellt sich die Frage, was nach dem Auslaufen der Förderung im Jahr 2028 geschieht und ob die Strukturprobleme bis dahin wirklich gelöst sind.
Ein Baustein, keine Komplettlösung
Am Ende gilt der Industriestrompreis vielen als ein wichtiger, aber allein nicht ausreichender Baustein. Er kann kurzfristig Luft verschaffen, doch die grundlegende Frage bezahlbarer und verlässlicher Energie bleibt bestehen. Ob der Schritt gelingt, wird sich daran zeigen, ob er mit einem dauerhaften Umbau der Energieversorgung und stabilen Rahmenbedingungen zusammenkommt.