Vom 20-jährigen Jubiläum in Prag über den Mega-Erfolg in den Philippinen bis zur Zukunft in Genf: Ein Blick auf die Kinowelt im Herbst.
Der 15. Oktober ist in Prag kein gewöhnlicher Termin. Es ist das zwanzigste Jahr des deutschsprachigen Filmfests, und die Veranstalter haben eine Entscheidung getroffen, die anders klingt als die üblichen Premieren. Sie zeigen „Das Leben der Anderen“ erneut. Isabella Petzold vom Goethe-Institut Prag bestätigt gegenüber deutsch.radio.cz, dass dieser Film der Startpunkt war. Es ist keine Geste der Bequemlichkeit, sondern eine bewusste Rückkehr zu dem Werk, das vor zwei Jahrzehnten alles in Bewegung gesetzt hat.
Während in Prag die Erinnerungen weggeweckt werden, dominiert in Manila die harte Realität der Kassen. Der Film „Always Yours, Never Mine“ von Star Cinema hat am 11. Oktober die Marke von 100 Millionen Peso überschritten. Joshua Garcia und Julia Barretto, die bereits in sechs Produktionen zusammenarbeiteten, stehen im Mittelpunkt. Laut ABS-CBN zieht der Film seit dem 30. September weiterhin Massen in die Kinosäle. Es ist ein Erfolg, der sich nicht in Nischen versteckt, sondern lautstark gefeiert wird.
Die Rückkehr des Klassikers
Festivals zeigen meist ihre teuersten Neuerwerbungen, die in Cannes oder Venedig gefeiert wurden. Prag tut das Gegenteil. „Das Leben der Anderen“ stammt aus dem Jahr 2006. Der Film ist alt genug für die Geschichtsbücher, aber jung genug für eine Generation, die damals noch zu klein war. Petzold erklärt, dass das Festival klein angefangen hat und heute auch Schulen und Vorschulkinder anspricht. Die Wiederholung des Eröffnungsfilms ist das deutlichste Signal dieser breiten Ausrichtung.
Neben dem Klassiker gibt es neue Programme. Die Sektion „Ungeduld des Herzens“ bezieht sich auf Stefan Zweig, ohne direkte Adaptionen zu zeigen. Stattdessen laufen thematisch angelehnte Werke wie „22 Bahnen“ oder „Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke“. In der Sektion „Gesehen werden“ steht „Heldin“ im Zentrum, ein Film über die Arbeit einer Krankenschwester auf der Intensivstation. Diese Auswahl verbindet Literatur und Film, ohne die Buchstaben zu kopieren, und konzentriert sich auf menschliche Zustände statt auf Spezialeffekte.

Der finanzielle Erfolg in Asien
100 Millionen Peso sind eine Zahl, die über die Qualität des Films wenig verrät, aber viel über die Marktmacht von Star Cinema in den Philippinen. Cathy Garcia-Sampana inszenierte „Always Yours, Never Mine“ und ist bekannt für ihre Blockbuster. Die Story folgt Apollo und Luna über drei Jahrzehnte. Es ist ein klassisches Liebesdrama, das auf Nostalgie setzt. Die internationale Ausweitung beginnt am 22. Oktober in den VAE, Katar, Bahrain, Australien und Neuseeland. Am 31. Oktober folgen Großbritannien und Österreich. Das beweist, dass solche Filme nicht nur lokal, sondern auch international vermarktet werden.
Die Besetzung mit Bianca Umali, Chanda Romero und Bob Jbeili rundet das Ensemble ab. Garcia und Barretto haben ihre Chemie bereits in Filmen wie „Unexpectedly Yours“ und „Vince & Kath & James“ bewiesen. Die Fans erwarten diese Dynamik, und das Kino liefert sie. Es ist ein geschlossenes Ökosystem, in dem die Marke der Schauspieler so wichtig ist wie der Plot. Der Erfolg am 11. Oktober ist der Beweis, dass dieses Modell funktioniert.

Genf blickt in die Zukunft
Während Prag die Vergangenheit feiert und Manila die Gegenwart, blickt das Genfer Internationale Filmfestival (GIFF) in die Zukunft. Die 32. Ausgabe findet vom 30. Oktober bis 8. November statt. Laut Screen Daily umfasst das Programm mehr als 113 Werke aus 46 Ländern. Die Leitung wechselt: Emilie Bujès und Audrey Olivier Muralt übernehmen im August die Ko-Direktion. Das Programm 2026 wurde jedoch noch von der bisherigen Direktorin Anaïs Emery entwickelt. Bujès wird 2027 ihre erste vollständig programmierte Ausgabe leiten, wenn das Festival in das Plaza Centre Cinéma umzieht.
Die Eröffnung übernimmt der kanadische Animationsfilm „Tangles“ von Leah Nelson. Es ist eine Familiendramaturgie über Alzheimer, mit einer Sprecherschaft, die Julia Louis-Dreyfus, Bryan Cranston und Seth Rogen umfasst. Das ist eine ungewöhnliche Besetzung für einen Animationsfilm, aber sie zeigt die internationale Reichweite des Festivals. Der Abschlussfilm ist „Arrested Memory“ von dem japanischen Regisseur Sabu, eine Actionkomödie. Diese Kontrastierung von Eröffnung und Abschluss spiegelt die Bandbreite des Programms wider.

Die Wettbewerbsfilme
Zehn Filme konkurrieren um den Reflet d’Or. Darunter ist „La Gradiva“ von Marine Atlan, die den Grand Prix der Kritikerwoche in Cannes gewann. Auch Radu Jude ist dabei, mit seinem in Bordeaux angesiedelten „The Diary Of A Chambermaid“. Die griechische Regisseurin Jacqueline Lentzou zeigt „A Day In The Life Of Jo: Chapter Phaedra“. Diese Filme haben bereits internationale Anerkennung erhalten. Sie sind keine Debüts, sondern etablierte Arbeiten, die in Genf ihre Premiere in einem europäischen Kontext haben.
Besonders interessant ist die Auswahl junger Talente. Der thailändische Regisseur Phuttiphong Aroonpheng ist mit seinem dritten Spielfilm „The Burning Giants“ dabei. Der norwegische Patrik Syversen zeigt „Dawning“. Der chinesische Gu You präsentiert „The First Taste Of Loneliness“. Und das Duo Tizza Covi und Rainer Frimmel ist mit „The Loneliest Man In Town“ vertreten. Diese Namen sind in der internationalen Szene noch nicht allgegenwärtig, aber sie werden in Genf vorgestellt. Es ist ein Sprungbrett für die kommenden Jahre.
Gäste und Auszeichnungen
Neben den Filmen gibt es auch Menschen, die gefeiert werden. Mira Nair, die indisch-amerikanische Regisseurin, ist als besondere Gast zu Gast. Sie erhält den Film & Beyond Award und nimmt an einem Gespräch auf der Bühne teil. Auch die französische Drehbuchautorin Fanny Herrero wird gewürdigt, die für die Serie „Call My Agent!“ bekannt ist. Diese Retrospektiven und Gespräche zeigen, dass Genf nicht nur ein Ort für neue Filme ist, sondern auch für die Würdigung bestehender Karrieren.
Die Industrie-Sektion GIFF Pro läuft vom 3. bis 6. November. Sie richtet sich an Fachleute und Produzenten. Es ist ein wichtiger Teil des Festivals, der oft im Schatten der Premieren steht. Aber er ist entscheidend für die Vernetzung und die Finanzierung zukünftiger Projekte. Die 80 Schweizerischen, internationalen und Weltpremieren zeigen, dass Genf ein Ort ist, an dem Filme ihre erste große Bühne im europäischen Kontext finden.
Der Vergleich der Formate
Wenn man die drei Festivals nebeneinander stellt, sieht man drei verschiedene Ansätze. Prag ist ein kulturelles Ereignis, das auf Bildung und Erinnerung setzt. Manila ist ein kommerzieller Erfolg, der auf die Marke der Stars setzt. Genf ist ein professionelles Netzwerk, das auf Qualität und Vernetzung setzt. Alle drei finden im Oktober 2026 statt. Sie zeigen, dass das Kino viele Gesichter hat. Es ist nicht nur Entertainment, nicht nur Kunst, nicht nur Business. Es ist alles gleichzeitig.
Die Frage ist, wie diese Festivals die Zukunft des Kinos prägen. Prag mit seiner Nostalgie, Manila mit seinem kommerziellen Erfolg, Genf mit seiner internationalen Ausrichtung. Sie sind wie drei verschiedene Instrumente in einem Orchester. Zusammen spielen sie das Lied des Kinos. Und dieses Lied wird lauter, nicht leiser. Der Oktober 2026 ist der Beweis.
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