Marktbericht vom 2. November 2026: Wie geopolitische Signale den Ölpreis drücken und die Baubranche in Wien stützen.
Der Montag in Wien verlief ohne große Aufregung, aber mit einem klaren Plus. Der ATX notierte am Ende bei 6.430,27 Punkten, ein Anstieg von 0,16 Prozent. Damit ist es der 99. beste Tag im bisherigen Jahresverlauf von 2026. Die Händler hielten sich zurück, denn am Dienstag stehen die US-Kongresswahlen an, und viele wollten abwarten, was Washington als nächstes aus dem Ärmel schüttelt.
Die Verteilung der Kursbewegungen fiel deutlich aus. Während Strabag und Wienerberger die Charts dominierten, musste die OMV Federn lassen. Diese Gegenläufigkeit unterstreicht, dass die Märkte derzeit sehr selektiv agieren. Der Rückgang der Ölpreise, getrieben durch diplomatische Signale im Iran-Konflikt, drückte auf den Energiesektor. Die Baustoffwerte hingegen konnten von der anhaltenden Nachfrage in Österreich profitieren.
Baubranche zieht an
Strabag und Wienerberger waren die unangefochtenen Leader am Montag. Strabag kletterte um 4,7 Prozent auf 104,20 Euro. Wienerberger legte 3,1 Prozent zu und schloss bei 17,00 Euro. Beide Titel schlugen den Index deutlich. Die Baubranche scheint von der stabilen Konjunkturerwartung in Österreich zu profitieren. Hohe Liquidität und der Fokus auf physische Werte stützen diesen Sektor derzeit.
Auch die voestalpine zeigte sich robust. Der Stahlkonzern gewann 2,47 Prozent und notierte bei 42,32 Euro. Im Kontrast dazu stand die OMV, die 3,0 Prozent auf 73,85 Euro einbüßte. Berichte über diplomatische Bemühungen von US-Präsident Donald Trump im Iran-Konflikt sorgten für Erleichterung bei den Anlegern. Die Sorge vor einer Eskalation und neuen Angriffen wurde kleiner, was den Rohölpreis spürbar senkte.
Die Ölbranche war europaweit schwach. Die Korrektur der Rohölpreise drückte direkt auf die Aktienkurse. In Wien war die OMV der klarste Verlierer im Index. Der Umsatz lag bei 133 Prozent des üblichen Tagesdurchschnitts, was auf intensive Umschichtungen hindeutet. Positionen wurden angepasst, der Markt reagierte schnell auf die geopolitischen Nachrichten.

Technologiewerte unter Druck
AT&S setzte seine Talfahrt fort und verlor 2,8 Prozent auf 130,60 Euro. Am Freitag hatten die Titel bereits über 13 Prozent eingebüßt. Der Leiterplattenhersteller steht vor einer scharfen Korrektur. Seit Jahresbeginn sind die Aktien zwar immer noch vervierfacht, aber die Volatilität in diesem Sektor ist hoch. Viele Anleger haben ihre Gewinne mitgenommen.
Halbleiterwerte waren weltweit unter Druck. Die Korrektur erreichte auch andere Märkte. AT&S handelte am Montag für 54,01 Millionen Euro, was 143 Prozent des üblichen Tagesumsatzs entspricht. Diese hohe Aktivität zeigt, dass hier viel bewegt wurde. Die Investoren sind unsicher, wie es mit der Halbleiterindustrie weitergeht. Geopolitische Spannungen und wirtschaftliche Unsicherheit belasten den Sektor zusätzlich.

Bankensektor stabil
Die Raiffeisen Bank International (RBI) schloss mit einem Plus von 0,5 Prozent bei 56,40 Euro. Die Bank dürfte die Addiko-Tochterbanken in Serbien, Bosnien-Herzegowina und Montenegro vorerst behalten. Diese wären eigentlich an die serbische Alta Group abgegeben worden. Da die serbische Notenbank der Alta Banka die Lizenz entzogen hat, rechnet die RBI nicht mehr mit den notwendigen Genehmigungen. Damit bleibt die RBI in den Balkanmärkten präsent.
Die Erste Group stieg um 0,5 Prozent auf 108,90 Euro. Analysten der Deutschen Bank und von Barclays bestätigten ihre Kaufempfehlungen. Die Barclays-Experten erhöhten ihr Kursziel leicht von 136 auf 137 Euro. Die Deutsche Bank beließ ihr Ziel bei 131 Euro. Die Quartalszahlen der vergangenen Woche wurden positiv aufgenommen. Der Bankensektor in Österreich zeigt sich widerstandsfähig, wie auch OeNB-Gouverneur Martin Kocher betonte.
Die harte Kernkapitalquote lag Ende 2025 bei 19 Prozent, deutlich über dem EU-Durchschnitt von 16,8 Prozent. Die Profitabilität der vergangenen Jahre hat die Kapitalausstattung der Banken gestärkt. Trotz des herausfordernden wirtschaftlichen Umfelds sind die Banken gut aufgestellt. Sie erfüllen ihre wichtige Funktion für Unternehmen und private Haushalte. Die Beobachtung möglicher Risiken im Gewerbeimmobiliensektor bleibt jedoch eine zentrale Aufgabe.

Makroökonomischer Kontext
Der ATX liegt year-to-date bei 20,73 Prozent im Plus. Es gab bisher 114 Gewinntage und 99 Verlusttage. Auf das Jahreshoch fehlen 8,3 Prozent. Der statistisch beste Wochentag 2026 ist der Mittwoch mit einem Durchschnitt von 0,41 Prozent. Der schwächste ist der Donnerstag mit minus 0,3 Prozent. Diese Statistik zeigt, dass die Wochentage eine Rolle bei der Performance spielen können.
Das Tagesvolumen lag bei 0,362 Milliarden Euro, der Durchschnitt 2025 lag bei 0,303 Milliarden Euro. Die Liquidität ist also leicht über dem Vorjahresniveau. Die längste Serie des Jahres gehört der Bawag mit 8 Tagen Plus in Folge und einer Performance von 13,93 Prozent. DO&CO ist mit 5 Tagen Plus in Folge und 8,42 Prozent Zuwachs ebenfalls stark. Diese Serien zeigen die anhaltende Stärke einzelner Titel.
Die beste Aktie in der 1-Monats-Sicht ist DO&CO mit 10,1 Prozent. Die beste Aktie year-to-date ist AT&S mit 305,59 Prozent im Plus. Am schwächsten tendierten AT&S mit minus 41,43 Prozent in der Monatssicht und Lenzing mit minus 52,74 Prozent year-to-date. Die Extreme zeigen die hohe Dispersion im Markt. Einige Titel performen hervorragend, andere fallen stark ab. Die Anleger müssen selektiv vorgehen.
Ausblick und Strategien
Die Börsengewinne fielen trotz der tieferen Ölpreise verhalten aus. Im Vorfeld der US-Kongresswahlen am Dienstag dürften viele Anleger vorerst abgewartet haben. Diese Vorsicht ist verständlich. Die geopolitischen Unsicherheiten bleiben bestehen. Die diplomatischen Bemühungen im Iran-Konflikt könnten jedoch zu einer Entspannung führen. Dies wäre positiv für die Märkte.
Die OeNB und das Finanzministerium haben sich über die Finanzmarktstabilität und Finanzbildung ausgetauscht. Im Mittelpunkt standen aktuelle Finanz- und Wirtschaftsthemen, insbesondere die Bedeutung von Finanzbildung für die langfristige finanzielle Vorsorge. Auch im Rahmen des geplanten Zukunftsdepots. Aus Sicht der OeNB ist es wesentlich, neue Möglichkeiten der langfristigen finanziellen Vorsorge durch entsprechende Finanzbildungsangebote zu begleiten. Nur etwas mehr als die Hälfte der Menschen versteht den Zinseszinseffekt. Dies zeigt, wie wichtig Aufklärung ist.
Für Investoren bedeutet das, dass sie ihre Portfolios sorgfältig diversifizieren sollten. Die Baubranche bietet Chancen, während der Ölsektor Risiken birgt. Die Technologiewerte sind volatil, aber mit langfristigem Potenzial. Der Bankensektor ist stabil und solide kapitalisiert. Die Anleger sollten die geopolitischen Entwicklungen im Auge behalten. Die nächsten Wochen werden zeigen, wie sich die Märkte entwickeln. Die Fundamentaldaten bleiben der entscheidende Faktor.
Häufige Fragen

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