Die Zahl der Firmenkonkurse in der Schweiz erreicht einen historischen Höchststand. Kleine Betriebe sind am stärksten betroffen, während die IT-Branche paradoxerweise Boom erlebt.
Rechnerisch meldeten zuletzt rund 41 Unternehmen pro Tag Konkurs an. Im Jahr 2021 waren es noch 15. Diese Zahl stammt nicht aus einer Prognose, sondern aus der harten Realität des laufenden Jahres. Die Analysten von Dun & Bradstreet sprechen von einem historischen Höchststand, der seit Beginn der Erhebung im Jahr 1994 nicht zu sehen war.
In den ersten neun Monaten 2026 wurden demnach 11'178 Verfahren eröffnet. Das entspricht einem Anstieg von 38,4 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Hält dieses Tempo im Schlussquartal an, könnte die Jahresbilanz 2026 bei 14'500 bis 15'000 Verfahren liegen. Das würde den erst 2025 aufgestellten Höchstwert von 11'828 Konkursen um rund ein Viertel übertreffen.
Der Druck trifft die Kleinen
Die Zunahme konzentriert sich fast vollständig auf die kleinsten Betriebe. Auf Unternehmen mit bis zu neun Beschäftigten entfielen laut der Erhebung 10'648 Verfahren. Das sind 95,3 Prozent aller Fälle. Der Anstieg in dieser Kategorie beträgt 46,3 Prozent.
Bei Betrieben mit 10 bis 49 Beschäftigten stieg die Zahl um 31,2 Prozent auf 332. Bei Unternehmen mit mehr als 250 Beschäftigten wurde im gesamten Zeitraum ein einziger Fall registriert. Die grosse Industrie bleibt also weitgehend verschont, während das Kleingewerbe unter dem wirtschaftlichen Druck und dem hohen Wettbewerb leidet.

Welche Branchen fallen durch
Mit Blick auf die Branchen steigen die Konkurse am stärksten im Einzelhandel. Hier verzeichnet man einen Anstieg von 81,4 Prozent auf 1'014 Fälle. Ebenfalls dramatisch ist die Lage in der Unternehmens- und Steuerberatung, wo die Zahlen um 76,6 Prozent auf 846 steigen.
Deutlich zugelegt haben auch Immobilienmakler und -verwaltungen mit einem Plus von 68,6 Prozent auf 376 Fälle sowie Holding- und Investitionsgesellschaften mit 63,5 Prozent auf 453. Die meisten Verfahren verzeichnet aber weiterhin das Handwerk mit 1'578 Fällen und einem Anstieg von 21,6 Prozent. Das Gastgewerbe folgt mit 1'115 Verfahren und einem Plus von 25,6 Prozent.

IT-Branche als Gegenpol
Während andere Sektoren bröckeln, ist die IT der klare Treiber auf der Gründungsseite. 2'970 neu gegründete Informatikdienstleister bedeuten ein Plus von 26,4 Prozent. Das ist der stärkste absolute Zuwachs aller Branchen.
Von Januar bis Ende September wurden insgesamt 41'694 Unternehmen neu gegründet. Das entspricht einem Plus von 2 Prozent gegenüber 40'866 im Vorjahreszeitraum. Die IT-Branche hält also gegen, selbst wenn der Rest der Wirtschaft unter dem Druck der normalen Rahmenbedingungen nach den Krisenjahren zusammenbricht.

Was die Zahlen bedeuten
Dirk Radetzki, Senior Vice President Global Transformation & Business Development bei Dun & Bradstreet, sagt, dass hier einiges zusammenkommt. Es sei der wirtschaftliche Druck auf kleinere Unternehmen, die Rückkehr zu normalen Rahmenbedingungen nach den Hilfen der Krisenjahre und ein insgesamt schwierigeres Geschäftsumfeld.
Auffällig ist, wie breit der Anstieg ausfällt, über Regionen und Branchen hinweg. Es ist kein Einzelphänomen, sondern ein systemischer Druck, der vor allem die unteren Etagen der Wirtschaft trifft. Die Schweiz steht 2026 vor einer harten Realität, die niemand mehr ignorieren kann.
Häufige Fragen

Keep subscribing to Ruedi WyssHer next filing reaches you the moment it publishes, on her own subdomain.
Subscribe
