Zum ersten Mal dürfen die Menschen mitentscheiden, wie die Euro-Scheine künftig aussehen. Zur Wahl stehen berühmte Köpfe oder heimische Vögel. Ein Überblick über die Abstimmung, den Zeitplan und die Hintergründe.
Fast jeder trägt sie täglich im Portemonnaie, doch kaum jemand schaut sie wirklich genauer an: die Geldscheine des Euro. Nun aber steht dem vertrauten Bargeld eine der größten Veränderungen seit seiner Einführung bevor, denn die Scheine sollen in absehbarer Zeit ein völlig neues Gesicht bekommen.
Die Europäische Zentralbank hat dazu erstmals die Bürgerinnen und Bürger selbst um ihre Meinung gebeten. In einer breit angelegten Abstimmung können die Menschen mitentscheiden, welches Motiv künftig die Vorder- und Rückseiten der europäischen Banknoten schmücken soll. Die Beteiligung daran ist bereits enorm.
Warum die Scheine überhaupt erneuert werden
Seit der Euro als Bargeld eingeführt wurde, zeigen die Scheine im Grunde immer dasselbe Bild. Zu sehen sind stilisierte Fenster, Tore und Brücken, die für Offenheit und Verbindung stehen sollen, aber bewusst keine real existierenden Bauwerke oder Personen abbilden. Dieses neutrale Konzept gilt vielen inzwischen als eher blass.
Mit der Neugestaltung verfolgt die Notenbank gleich mehrere Ziele auf einmal. Zum einen sollen die Scheine moderner wirken und die kulturelle Vielfalt des Kontinents endlich sichtbarer machen. Zum anderen bietet eine ganz neue Serie die Gelegenheit, die eingebauten Sicherheitsmerkmale technisch auf den neuesten Stand zu bringen.
Zwei Themen stehen zur Wahl
Aus mehr als tausendzweihundert eingereichten Vorschlägen haben sich am Ende zwei große Themen herauskristallisiert, zwischen denen nun letztlich entschieden wird. Das erste trägt den Titel Europäische Kultur und rückt bekannte Persönlichkeiten in den Mittelpunkt, die den Kontinent über alle Ländergrenzen hinweg geprägt haben.
Nach diesem Entwurf würde etwa die Sängerin Maria Callas den Fünf-Euro-Schein zieren, Ludwig van Beethoven den Zehner und die Forscherin Marie Curie den Zwanziger. Auf den größeren Scheinen wären der Schriftsteller Miguel de Cervantes, der Universalgelehrte Leonardo da Vinci und die Friedensnobelpreisträgerin Bertha von Suttner zu sehen.
Der zweite Entwurf schlägt einen ganz anderen Weg ein und stellt stattdessen die Natur des Kontinents in den Vordergrund. Unter dem Motto Flüsse und Vögel zeigt jeder Schein eine andere heimische Vogelart vor einer Flusslandschaft, während die Rückseiten jeweils eine der großen europäischen Institutionen abbilden.
So viele Menschen stimmen mit

Wie groß das Interesse an der Gestaltung des eigenen Geldes tatsächlich ist, zeigt die rege Teilnahme sehr deutlich. Bereits in der ersten Woche gaben rund sechs Millionen Menschen ihre Stimme ab. Insgesamt standen zehn ausgearbeitete Entwürfe zur Auswahl, über die online bis zum einundzwanzigsten September abgestimmt werden konnte.
Die Stimmen der Öffentlichkeit sind dabei allerdings nur ein Teil der endgültigen Entscheidung. Daneben fließen das Urteil einer eigens berufenen Jury sowie eine technische Bewertung ein, die etwa die Fälschungssicherheit, die Herstellbarkeit und die Zugänglichkeit der Scheine sehr genau unter die Lupe nimmt.
Mehr als nur Ästhetik
Bei einer Banknote geht es nämlich um weit mehr als nur um ein hübsches Motiv. Jeder Schein muss sich zuverlässig gegen Fälschungen schützen lassen und zugleich für blinde und sehbehinderte Menschen gut ertastbar sein. Auch das am Ende gewählte Motiv darf diese hohen technischen Ansprüche keinesfalls behindern.
Hinzu kommen ganz praktische Fragen der Haltbarkeit, denn ein Geldschein wandert im Laufe seines Lebens durch unzählige Hände. Er muss Knicke, Feuchtigkeit und ständige Reibung über viele Jahre hinweg unbeschadet überstehen, ohne dass die Farben verblassen oder wichtige Merkmale verloren gehen.
Ein langer Weg bis zum neuen Geld
Bis die neuen Scheine tatsächlich im Portemonnaie landen, wird allerdings noch einige Zeit vergehen. Nach dem Ende der Abstimmung will der Rat der Zentralbank gegen Ende des Jahres über den Sieger entscheiden. Erst danach beginnen die aufwendige Feingestaltung und die sorgfältige Vorbereitung der eigentlichen Produktion.
Ein konkreter Termin für die Ausgabe steht deshalb bislang noch nicht fest, und es dürften bis dahin durchaus mehrere Jahre ins Land gehen. Die heute gültigen Scheine behalten in dieser gesamten Zeit selbstverständlich ihren vollen Wert und können wie gewohnt zum Bezahlen genutzt werden.
Was das für den Alltag bedeutet
Für den täglichen Einkauf ändert sich durch die Umgestaltung zunächst also nur wenig. Dennoch hat die Entscheidung eine große symbolische Bedeutung, denn Bargeld bleibt trotz aller digitalen Bezahlmöglichkeiten für viele Menschen ein wichtiges und geschätztes Zahlungsmittel, das Unabhängigkeit und Verlässlichkeit verspricht.
Dass die Bürgerinnen und Bürger über das Aussehen ihres eigenen Geldes mitreden dürfen, ist eine ausgesprochen seltene Gelegenheit. Ob am Ende berühmte Köpfe oder heimische Vögel die Scheine zieren, ist dabei weit mehr als nur eine Frage des Geschmacks. Es ist ein kleines Stück europäischer Identität, das künftig durch Millionen Hände gehen wird.

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