Das Bezirksmuseum Neubau in Wien widmet dem Volksliedsammler Georg Kotek zum 60-jährigen Bestehen die Ausstellung Schräges Erbe. Wir fassen die wichtigsten Fakten zusammen.
Das Bezirksmuseum Neubau in Wien feiert im Herbst 2026 ein rundes Jubiläum. Zum 60-jährigen Bestehen widmet sich das Haus mit einer Sonderausstellung seinem Gründer und einem Kapitel österreichischer Kulturgeschichte.
Die Schau trägt den Titel Schräges Erbe und rückt den Volksliedsammler Georg Kotek in den Mittelpunkt. Sie verbindet die Geschichte des Museums mit der Frage, wie mit gesammeltem Kulturgut heute umgegangen wird.
Ein Jubiläum im Zeichen der Erinnerung
Sechzig Jahre nach seiner Gründung nutzt das Bezirksmuseum Neubau das Jubiläum nicht nur zum Feiern. Den Angaben zufolge stellt es die eigene Entstehungsgeschichte und die Rolle seines Gründers bewusst zur Diskussion.
Wer war Georg Kotek
Georg Kotek lebte von 1889 bis 1977 und gilt als bedeutender Sammler österreichischer Volkslieder. Über Jahrzehnte trug er Melodien und Texte zusammen und baute ein weit verzweigtes Netzwerk von Kontakten auf.
Die RAVAG-Sammlung und das Gedächtnis Österreichs
Besonders bekannt ist seine im Rahmen des Rundfunks entstandene RAVAG-Volksliedsammlung aus den Jahren 1934 bis 1937. Sie wurde im Jahr 2014 in das nationale Register Gedächtnis Österreichs der UNESCO aufgenommen.
Ein kritischer Blick auf das Erbe
Die Ausstellung zeichnet den Angaben zufolge kein ungetrübtes Heldenbild. Sie thematisiert, dass Kotek beim Sammeln und Vernetzen die damaligen Arierparagraphen strikt anwandte, mit denen Menschen jüdischer Herkunft ausgeschlossen wurden.
Warum die Ausstellung Schräges Erbe heißt
Der Titel Schräges Erbe verweist auf diese Doppelbödigkeit. Ein wertvolles kulturelles Erbe steht neben einer belasteten Biografie, und die Schau fragt, wie sich beides zusammen erinnern und einordnen lässt.
Drei Orte in Wien
Gezeigt wird die Ausstellung den Angaben zufolge an drei Orten in Wien. Beteiligt sind das Bezirksmuseum Neubau im siebten Bezirk, das Wiener Phonomuseum im sechsten Bezirk und das Österreichische Volksliedwerk in der Operngasse.
Die beteiligten Institutionen
Getragen wird das Projekt von mehreren Einrichtungen. Neben dem Museum und dem Volksliedwerk wirken das Phonogrammarchiv der Österreichischen Akademie der Wissenschaften und die Österreichische Nationalbibliothek mit.
Wie Volkslieder gesammelt wurden

Das Sammeln von Volksliedern war lange Zeit Handarbeit. Melodien und Strophen wurden vor Ort mitgeschrieben, in Heften festgehalten und später geordnet, bevor Tonaufnahmen diese Arbeit ergänzen konnten.
Töne aus dem Archiv
Mit dem Rundfunk und den frühen Aufnahmegeräten kam eine neue Dimension hinzu. Stimmen und Klänge ließen sich nun bewahren, was Sammlungen wie jene Koteks bis heute hörbar und erforschbar macht.
Die Lange Nacht der Museen
Zum Begleitprogramm zählt den Angaben zufolge die ORF Lange Nacht der Museen am 3. Oktober 2026. Geplant sind Führungen durch das Archiv, ein Vortrag über Militärtrommeln und offenes Singen im Volksliedwerk.
Laufzeit und Besuch
Eröffnet wird die Schau den Angaben zufolge am 19. September 2026 um 18 Uhr, laufen soll sie bis zum 27. Januar 2027. Damit bleibt über mehrere Monate Zeit, die drei Stationen in Wien zu besuchen.
Erinnerungskultur im kleinen Rahmen
Das Beispiel zeigt, wie auch ein kleines Bezirksmuseum große Fragen stellen kann. Zwischen Bewahren und Hinterfragen macht die Schau deutlich, dass kulturelles Erbe stets auch eine Auseinandersetzung mit der eigenen Vergangenheit bedeutet.
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