Im Zuge der geplanten Rentenreform hat der Deutsche Gewerkschaftsbund einen weitreichenden Vorschlag gemacht. Die DGB-Vorsitzende Fahimi fordert eine verpflichtende Betriebsrente für alle Beschäftigten. Diese Form der Alterssicherung müsse zusätzlich sein und von den Arbeitgebern mitfinanziert werden.
Rückendeckung kommt dabei auch vom Koalitionsumfeld. Der Arbeitnehmerflügel der CDU sieht den Vorschlag positiv und hält ihn für einen richtigen Schritt, womit die Idee über die Gewerkschaftsseite hinaus Unterstützung findet.
Hintergrund ist die Sorge um das vergleichsweise niedrige deutsche Rentenniveau. Derzeit hat hierzulande nur etwa jeder zweite sozialversicherungspflichtig Beschäftigte überhaupt eine Betriebsrente. Eine verpflichtende und breiter angelegte Betriebsrente könnte helfen, die Alterssicherung insgesamt zu stärken.
Dass es bei der Verbreitung hakt, ist nicht neu. In der Vergangenheit hat die Politik bereits mit zwei sogenannten Betriebsrentenstärkungsgesetzen versucht, die Zahl der Betriebsrenten zu erhöhen. Das hat jedoch nicht gut funktioniert, und der Anteil blieb bei rund der Hälfte der Beschäftigten stehen.
Ein Blick ins Ausland zeigt, wie groß der Unterschied sein kann. In den Niederlanden etwa sind Betriebsrenten ein fester Baustein der Altersvorsorge, fast 90 Prozent der Beschäftigten haben dort eine. Auch deshalb liegt das Rentenniveau in den Niederlanden mit mehr als 85 Prozent deutlich höher als in Deutschland.
Warum die Betriebsrente in Deutschland bislang wenig verbreitet ist, hat vor allem zwei Gründe. Zum einen das Problem der Haftung, denn Unternehmen mussten in der Vergangenheit dafür einstehen, was ihre Beschäftigten später aus der Betriebsrente bekommen, und im Zweifel nachzahlen. Zum anderen war strittig, wie die Gewerkschaften an dem System beteiligt werden.
Mit dem neuen Vorstoß rückt die Betriebsrente damit wieder ins Zentrum der Rentendebatte. Sollte sich eine verpflichtende, von den Arbeitgebern mitfinanzierte Lösung durchsetzen, wäre das ein deutlicher Kurswechsel gegenüber den bisherigen, freiwilligen Modellen, mit denen die angestrebte breite Verbreitung nicht gelungen ist.
